Das schweizerische Gegenwertfonds-Programm
Resultate und Auswertung ausgewählter Erfahrungen (2009)
Gemessen an der Anzahl geschaffener Fonds gehört das Gegenwertfonds-Programm des schweizerischen Entschulungs-programms zu den umfangreichsten einheitlichen Schulden-umwandlungs-Programmen eines Gläubigerlandes. Zwölf Fonds sind in den 1990er Jahren geschaffen worden und mit einer Reihe weiterer Länder wurden Abkommen geschlossen.
Das Programm ist auch volumenmässig eines der bedeutendsten Swap-Programme für Entwicklungsprojekte (debt-for-development swaps). Die Umwandlung von nominalen Schulden im Umfang von knapp über einer Milliarde CHF haben in den zwölf Ländern Gegenwertmittel von insgesamt 267 Mio. geschaffen.
Das Schweizer GWFProgramm hat weltweite Beachtung gefunden und wird in der einschlägigen Swap-Literatur ausführlich und oft zitiert. Die Schweiz wird als Vorreiterin in Sachen Entschuldung bezeichnet. Wer vorausreitet betritt neues Terrain und muss sich erst orientieren. Dies war einer der Aspekte, welche Alliance Sud Expertise in einer Studie im Auftrag des SECO genauer untersuchte. Ausserdem beantwortet die Studie die Frage, inwieweit das GWF-Programm ihre Ziele erreicht hat und welche Lehren wir aus den 15-jährigen Programmerfahrungen ziehen können.
In analytischer Hinsicht ist das GWF-Programm als Teil des schweizerischen Entschuldungsprogramms aus drei Gründen von breitem Interesse:
- Je höher die Zahl von Fonds, umso eher sind aussagekräftige Quervergleiche von Resultaten und Erfahrungen möglich. Die Zahl 12 hat einen ansehnlichen „statistischen“ Erkenntniswert. Eine Vergleichsauswertung schafft mehr Erkenntnisse als eine Aneinanderreihung der Auswertung von Einzelfällen.
- Die Fonds waren ähnlich organisiert und folgen dem gemeinsamen Zweck der Entwicklungsförderung und Armutsreduktion. In strategischer Hinsicht (Sektorprioritäten, Instrumente, Kanäle der Mittel) zeigt das Programm hingegen die ganze Palette von Möglichkeiten. Aus dieser Breite von Interventionsstrategien lassen sind Erfahrungen kapitalisieren, welche für die Geber- wie Empfängerinstitutionen von Interesse sind, welche die Einrichtung von Fonds unterschiedlichster Prägung erwägen oder aufbauen.
- Das Instrument eines Entschuldungs-Swaps ist nur eine von weiteren Möglichkeiten, durch Entschuldung frei werdende Mittel mehr oder weniger direkt für Entwicklungsaufgaben zu verwenden. Die konditionslose Streichung von Schulden (z.B. im Rahmen einer international koordinierten Aktion wie HIPC) oder Umschuldung (Restrukturierung von Schulden) sind weitere Optionen mit potentiellen Entwicklungswirkungen.3 Aus Sicht der Gläubiger- wie der Schuldnerländer haben die verschiedenen Entschuldungs-massnahmen ihre Vor- und Nachteile. Die „empirischen Erfahrungen“ im Rahmen des schweizerischen GWF-Programms können auch zur Beantwortung solcher entschuldungspolitischer Fragestellungen beitragen.
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