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Dambisa Moyo's EZA-Kritik: unsorgfältig und inkonsistent

Veröffentlicht am: 08. 07. 2009

Das Buch "Dead Aid" der zambischen Bankerin Dambisa Moyo übt radikale Kritik an der Entwicklungszusammenarbeit. Aber es ist wohl das Schlechteste, das zu diesem Thema je herausgekommen ist. Ein Interview mit Peter Niggli, Geschäftsleiter von Alliance Sud.

Cover Dead AidDambisa Moyos Buch hat eine rege Debatte in Afrika ausgelöst. Interessant und erhellend sind die Buchbesprechung im Zambian Economist Blog und verschiedene weitere Beiträge im selben Blog. Empfehlenswert ist auch die Buchkritik von Barder Owen (Addis Abeba).

Moyo's Thesen, dass sich afrikanische Regierungen allzu sehr auf externe Hilfe stützten oder dass die westliche Unterstützung für Staatschefs wie Mobutu Sese Seko etc. nichts zur Entwicklung der "begünstigten" Länder beigetragen hat, ist zuzustimmen. Ärgerlich ist aber der saloppe Umgang der Autorin mit Zahlen, Quellen und der eigenen argumentativen Konsistenz. Während sie z.B. die westliche Hilfe für die Armut Afrikas verantwortlich macht, sieht sie die chinesische sehr positiv, obwohl die chinesische Hilfe die gleichen Mängel wie die westliche Hilfe während des Kalten Kriegs aufzeigt. Weiter stimmen viele der Zahlen, die ich nachgeprüft habe, nicht. So behauptet Moyo wiederholt, Afrika habe alles in allem 1000 Milliarden Dollar Hilfe erhalten - während die OECD-Statistik seit 1960 je nach Rechnungsweise (laufende oder inflationsbreinigte Dollarwerte) nur 400 bis 600 Milliarden (bis 2005) ausweist. Moyo geht auch mit ihren wenigen Quellen, die sie anführt, willkürlich um. So verdreht sie zum Beispiel den Inhalt einer Studie von Clemens, Radelet und Bhavani, die eine positive Wirkung der Hilfe auf das Wirtschaftswachstum nachweist, diametral. Moyo zufolge beweisen Clemens et al., dass sich Hilfe nicht auf das Wirtschaftswachstum auswirke. Ärgerlich schliesslich, wie Moyo den grössten Teil der umfangreichen Debatte über Hilfe und Entwicklung und die besonderen afrikanischen Probleme schlicht nicht zur Kenntnis nimmt.

Dambisa Moyo gehört zur Gruppe neoliberaler afrikanischer Intellektueller, die dem Kontinent endlich einen kapitalistischen Jump Start verschaffen möchten. Allerdings argumentieren ihre Kollegen Andrew Mwenda aus Uganda und James Shikwati aus Kenya sorgfältiger und ohne konfuse Zahlen.

Download Interview mit Peter Niggli (pdf, 138 kb)
(Tages-Anzeiger, 8. Juli 2009) erschienen.

Kontakt: Peter Niggli

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