07.07.07: Tausende fordern mehr Entwicklungshilfe
Mehrere tausend Menschen haben am 7.7.07, der symbolischen Halbzeit der Millenniumsziele, in Bern eine Erhöhung der schweizerischen Entwicklungshilfe gefordert. Damit die Millenniumsziele zur Halbierung von Armut und Hunger bis 2015 erreicht werden könnten, müsse auch die Schweiz ihre Anstrengungen verstärken. Am Festival traten u.a. Mary Robinson, ehemalige Uno-Beautragte für Menschenrechte, und die Schauspielerin Melanie Winiger auf.
Hilfswerke und weitere Organisationen haben eine Petition lanciert, die verlangt, das Entwicklungshilfebudget auf 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu erhöhen, wie dies die Uno seit langem verlangt und die EU bis 2015 realisieren will. Die Veranstaltung auf dem Bundesplatz war Teil dieser Kampagne.
Nebst verschiedenen Musikgruppen, darunter Stiller Has und der Rapper Greis, traten auf dem Bundesplatz in Bern auch verschiedene prominente SprecherInnen auf. So erklärte Mary Robinson, die frühere Menschenrechtsbeauftragte der Uno, die Schweiz solle sich ein Vorbild an Irland nehmen: Die irische Regierung hatte im Jahr 2000 beschlossen, die Entwicklungszusammenarbeit bis im Jahr 2015 auf 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu erhöhen. Als sie einige Jahre wegen der wirtschaftlichen Rezession dieses Ziel hinausschob, protestierte die Bevölkerung und zwang die Regierung, ihr Versprechen einzuhalten.
Die Schauspielerin Melanie Winiger erinnerte daran, dass in armen Ländern jede Minute eine Frau während der Schwangerschaft oder der Geburt stirbt, weil sie keine medizinische Versorgung hat. Sie pfiff zusammen mit dem Publikum auf dem Bundesplatz die zweite Halbzeit zur Erreichung der Millenniumsziele an, um den Bundesrat zu wecken, damit er sich endlich stärker gegen die weltweite Armut einzusetzen.
Das Festival „07% - Gemeinsam gegen Armut“ wurde von einer breiten Allianz von Hilfswerken, Umwelt- und Frauenorganisationen, Gewerkschaften und Kirchen aus Anlass der Halbzeit bei der Umsetzung der Millenniumsziele organisiert. Verschiedene RednerInnen, darunter ParlamentarierInnen von FDP, den Liberalen, CVP, SP und den Grünen, wiesen drauf hin, dass es in der zweiten Halbzeit viel mehr Anstrengungen von allen Regierungen brauche, auch von der Schweiz, um die Armut zurückzudrängen.
Peter Niggli, Geschäftsleiter von Alliance Sud, die das Bündnis „0,7% - Gemeinsam gegen Armut“ koordiniert, erinnerte daran, dass Schweizer Bundespräsidenten schon mehrmals vor der Uno versprochen hätten, die Schweiz würde ihr Engagement zugunsten der Millenniumsziele verstärken, so Bundesrat Couchepin 2003 und Bundesrat Schmid 2005. Doch die Schweiz habe bisher weder die Handelspolitik noch die Finanzbeziehungen zugunsten der armen Länder verändert. Bei der Entwicklungshilfe plane der Bundesrat gar einen Abbau. Dies sei nicht akzeptabel.
Um der Forderung nach einer Erhöhung der Entwicklungshilfe Nachdruck zu verleihen, haben über 60 Hilfswerke, Umwelt-, Jugend- und Frauenverbände, Kirchen und Gewerkschaften eine Petition lanciert. In nur fünf Wochen sind bereits rund 14'000 Unterschriften zusammengekommen. Die Petition ruft den Bundesrat und das Parlament auf, analog zu den 15 „alten“ EU-Staaten das Entwicklungsbudget von heute knapp 0,4 auf 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu erhöhen. Das zusätzliche Geld sei gezielt zugunsten der Ärmsten und Benachteiligsten aufzuwenden.
Weitere Informationen: Pepo Hofstetter, Alliance Sud

Einzug der Delegation aus der Romandie
Madd Family und Greis

Luc Recordon (Ständerat GP), Claude Ruey (Nationalrat, Liberale), Lurezia Meier-Schatz (Nationalrätin, CVP), Simonetta Sommaruga (Ständerätin SP) und Dick Marty (Ständerat FDP)
Stiller Has
Namusoke

