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Ohne Menschenrechte keine Millenniumsziele

Veröffentlicht am: 22. 06. 2010

Rund 150 Personen nahmen am 22. Juni 2010 an einer Tagung von Alliance Sud und Amnesty International zu den Millennium-Entwicklungszielen (MDG) teil. Im Zentrum stand die Frage einer stärkeren Verknüpfung von Armutsbekämpfung und Menschenrechten sowie die MDG-Politik der Schweiz.

"Die MDGs brauchen neue Impulse - Was kann die Schweiz beitragen?" hiess der Titel der gemeinsamen Veranstaltung, die Alliance Sud und Amnesty International am 22. Juniin Bern durchführten. Anlass bot der  Uno-Gipfel MDG+10 , der im September in New York zehn Jahre Millenniumsziele bilanzieren wird und konkrete Massnahmen beschliessen sollte, um die MDGs bis 2015 zu erreichen.

MDG C.MorelCaroline Morel, Vizepräsidentin von Alliance Sud und Geschäftsleiterin von Swissaid, wies in ihrer Begrüssung darauf hin, dass dank zehn Jahren MDGs einige bemerkenswerte Fortschritte erreicht worden seien, so zum Beispiel bei der Reduktion der Kindersterblickheit (MDG 4) oder der Versorgung mit Trinkwasser (7). Problematisch aber sei das Bild bei der Verwirklichung der Geschlechtergerechtigkeit und bei MDG 8, das die Industrieländer in die Plficht nehme. Die Wirtschaftskrise und die spekulationsbedingte Verteuerung der Grundnahrungsmittel hätten zudem einige Erfolge wieder rückgängig gemacht. "Deshalb müssen wir heute Alarm schlagen und Druck auf die Regierungen ausüben, damit die Millenniumsziele bis 2015 möglichst weitgehend erreicht werden", so Caroline Morel.

 

"More of the same" genügt nicht

Einfach "mehr vom Gleicen" genüge nicht, wenn die Millenniumsziele bis 2015 errreicht werden sollen, erklärte Natalia Cardona, Vertreterin des NGO-Netzwerks Social Watch. Natalia CardonaVielmehr müsste die Politik für mehr Gerechtigkeit sorgen: Gerechtigkeit: in der Klimapolitik, bei der Bewättigung der Finanz- und Wirtschaftskrise, bei der sozialen Ungleichheit und der Disriminierung von Frauen und Indigenen und bei der Möglichkeit, Rechtsansprüche gerichtlich durchzusetzen. Cardona plädiewrte insbesondere auch für die Einführung einer Steuer auf interantionalen Finanztransaktionen: Jene sollten für die Krise und deren Folgen aufkommen, die sie ausgelöst haben.

Meghna Abraham von der Amnesty International-Zentrale in London wies darauf hin,  dass sich viele Regierungen mit ihrer Unterschrift unter entsprechende Uno-Abkommen zur Respektierung von wirtschaftlichen, MDG M.Abrahamssozialen und kulturellen Rechten verpflichtet hätten, die weiter gingen als die Millenniusmziele. Wolle man die MDGs umsetzen, müsse man diesen Rechten zum Durchbruch verhelfen. Und zwar nicht in Form von allgemeinenen Absichtserklärungen, sondern durch konkrete Massnahmen. Wer die Müttersterblichkeit reduzieren wolle (MDG 5), müsse das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung  durchsetzen. Das Recht auf Bildung (MDG 2) impliziere, dass alle Schulgebühren abgeschafft werden.

 

Wo steht die Schweiz?

Edita Vokral, Vizedirektorin der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza,) wies darauf hin, dass die Schweiz MDG E. Vokralsich in verschiedenen Bereichen stark für die Millenniumsziele engagierten (was im Saal auf viel Widerspruch stiess). Am Uno-Gipfel vom September werde sich die Schweiz auf vier Bereiche konzentrieren: die Armutsbekämpfung in fragilen Ländern, die Förderung von Rechtsstaatlichkeit ("rule of law"), die gegenseitige Rechenschaftsablegung zwischen Entwicklungs- und Geberländern ("mutual accountability") und der Einbezug des privaten Sektors.

MDG P.NiggliPeter Niggli, Geschäftsleiter von Alliance Sud, formulierte drei konkrete Erwartungen an die Schweiz. Um einen gebührenden Beitrag im Schlussspurt der Millenniumsziele zu leisten, müsse sie
•   deutlich mehr Mittel zur Verfügung stellen und die Entwicklungs-zusammenarbeit rasch auf auf 0,5 Prozent des Bruttonationaleinkommens erhöhen. Die zusätzlichen Mittel sollten gezielt zugunsten der ärmsten Länder und der benachteiligsten Bevölkerungsgruppen eingesetzt werden.
•    rasche Massnahmen ergreifen, um die entwicklungspolitische Kohärenz zu verbessern. Insbesondere müsse die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern in Steuerfragen angepackt und die Steuerhinterziehung durch reiche Einzelpersonen und Konzerne bekämpft werden.
•    die Verwirklichung der Menschenrechte ins Zentrum der Entwicklungszusammenarbeit stellen und ihnen auch in der Aussen- und Aussenwirtschaftspolitik einen zentralen Platz einräumen.

MDG Panel2

Zum Schluss der Tagung diskutierten  Beatrice Maser Mallor (Leiterin Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung/Seco) und Thomas Greminger (Chef PA IV/Menschenrechte beim EDA) mit Peter Niggli und Edita Vokral. (Links im Bild:  Moderatorin Michèle Laubscher, Alliance Sud).

 

Nachfolgend können Sie folgende Textbeiträge herunterladen:

Caroline Morel, Vizepräsidentin Alliance Sud und Geschäftsleiterin Swissaid
Begrüssung/Einleitung (pdf, 69kB)

Natalia Cardona, Advocacy Coordinator Social Watch, New York:
"We need Justice Not Business as Usual" (pdf, 89kB)

Meghna Abraham, Head of the Economic, Social and Cultural Rights Team, Amnesty International, London
Poverty is not inevitable – Millennium Development Goals and human rights (pdf, 79kB)

Edita Vokral; Vizedirektorin Deza, Chefin Regionale Zusammenarbeit
Rückblick und Ausblick : die Sicht der Schweiz (pdf, 93kB)

Peter Niggli, Geschäftsleiter Alliance Sud
Zehn Jahre MDG's - und nun? (pdf, 51kB)

Programm der Tagung

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