Potentatengelder: FINMA-Bericht enttäuscht
Die Schweizer NGO-Koalition gegen Potentatengelder, der auch Alliance Sud angehört, kritisiert die Untersuchungen der FINMA zum Umgang der Schweizer Banken mit nordafrikanischen Vermögen als mangelhaft.
Weil der Bericht
nicht offenlegt, welche PEP-Beziehungen überprüft und welche beanstandet wurden,
kann das Verhalten der Banken weiterhin nicht adäquat beurteilt werden.
Unverständlich ist auch die Schlussfolgerung des Berichts: Im Gegensatz zur
FINMA sehen die NGOs beim schweizerischen Abwehrdispositiv gegen
Potentatengelder dringenden Verbesserungsbedarf.
Die FINMA hat heute eine Untersuchung zum Umgang der Schweizer Banken mit verdächtigen Vermögen aus dem Umfeld der gestürzten Diktatoren Nordafrikas veröffentlicht. Die Schweizer Banken kommen im Bericht der Aufsichtsbehörde ausgesprochen gut weg. Sie sollen ihre Sorgfaltspflicht im Rahmen des Geldwäschereigesetzes, das auch den Umgang mit Potentatengeldern regelt, mehrheitlich gut wahrgenommen haben. Gesetzliche Verbesserungen beim Schweizer Abwehrdispositiv gegen Potentatengelder schlägt der Bericht nicht vor.
Die Untersuchungen der FINMA weisen jedoch
deutliche Mängel auf. Die Aufsichtsbehörde hat nur die wenigen Banken ins Visier
genommen, die nach der bundesrätlichen Blockadeverordnung tatsächlich Konten aus
Nordafrika gesperrt und gemeldet haben. Genauso wichtig wäre es gewesen, auch
die restlichen Finanzinstitute zu kontrollieren und dort nach ungemeldeten
Geldern zu fahnden. Nur so hätten krasse Verletzungen der Sorgfaltspflicht
überhaupt entdeckt werden können.
Zudem beschäftigt sich der Bericht nur
mit den Vermögen der Personen, die auf den bundesrätlichen Sperrlisten stehen.
Offen bleibt, ob über Strohmänner oder Offshore-Gesellschaften noch weitere
Vermögen bei den betreffenden Banken parkiert worden sind. Der Bericht legt auch
nicht offen, welche konkreten PEP-Beziehungen untersucht und welche beanstandet
wurden. Diese Informationen wären aber dringend nötig, um zu beurteilen, ob die
Banken ernsthaft versucht haben, keine Korruptionsgelder anzunehmen. Weiter
würde es die Schweizer NGO-Koalition begrüssen, wenn nach Abschluss der
Untersuchungen die Namen der fehlbaren Banken veröffentlicht würden.
Es
ist unverständlich, dass die FINMA den Banken ein korrektes Vorgehen bescheinigt
und keinen weiteren Handlungsbedarf sieht. Man wusste zum Beispiel schon lange
vor dem tunesischen Frühling, dass Belhassen Trabelsi der Schwager des Diktators
Ben Ali und dass der Trabelsi-Clan hochkorrupt ist. Würden die
Potentatengelder-Bestimmungen im Geldwäschereigesetz wirklich der Abwehr von
korrupten, den Völkern gestohlenen Geldern dienen, dann hätten die betroffenen
Banken diese Gelder lange vor der bundesrätlichen Blockadeverordnung melden und
sperren müssen.
Auskunftsperson bei Alliance Sud: Mark
Herkenrath, 078 699 58 66
* Die Schweizer NGO-Koalition umfasst folgende Organisationen:
Aktion
Finanzlatz Schweiz, Alliance Sud, Brot für alle, Erklärung von Bern,
Fastenopfer, Plate-Forme Haïti de Suisse und Transparency
International.

