Durban: Der Klima-Poker geht in die 17. Runde
Auf dem Kontinent, der schon heute am schwersten vom Klimawandel betroffen ist, wird die Entscheidung darüber fallen, ob die Welt weiterhin ungebremst auf die Klimakrise zurast oder im letzten Moment den Fuss vom Gas nimmt.
Weltweit haben die Treibhausgase Rekordhöhen erreicht, wie vor kurzem das Energieministerium der USA bekannt gab. Selbst der mit internationalen Wissenschaftlern besetzte Weltklimarat hat nicht mit solch hohen Emissionen gerechnet und muss seine Vorhersagen nach oben korrigieren. Eine Erwärmung um vier Grad Celsius bis Ende desJahrhunderts ist nun mehr als wahrscheinlich. In nur 30 Jahren ist bereits mit zwei Grad Celsius mehr gegenüber der vorindustriellen Zeit zu rechnen.
Streitpunkt Kyoto-Protokoll
An der Uno-Klimakonferenz im mexikanischen Cancύn haben sich die Regierungen 2010 darauf geeinigt, eben diese zwei Grad unterschreiten zu wollen. Dennl alles darüber ist für die Menschheit gefährlich. Sie anerkannten gleichzeitig, dass die derzeitigen Bemühungen zur Reduzierung der Emissionen bei weitem nicht ausreichen und die Industrieländer die Führung beim Klimaschutz übernehmen müssten.
Dass nun seit einiger Zeit die Verlängerung des Kyoto-Protokolls in Frage steht, spottet dieser Vereinbarung Hohn. Das Protokoll verpflichtet die Industrieländer als Hauptverantwortliche der Klimaveränderung, ihre Emissionen bis 2012 um durchschnittlich fünf Prozent (gegenüber 1990) zu reduzieren. Es läuft im kommenden Jahr aus. Mindestens um 25 bis 40 Prozent müssten die Industrieländer ihre Emissionen bis 2020 reduzieren, um das Zwei-Grad-Ziel halten zu können. Ohne verbindlich festgelegte Emissionsreduktionen ist dies nicht zu erreichen.
Industrieländer sind gefordert
Langfristig ist die Klimaveränderung nur in den Griff zu bekommen, wenn alle Länder ihre Entwicklungspfade kohlenstoffarm und klimaresistent gestalten. Dazu müssen auch die Schwellen- und Entwicklungsländer mit an Bord geholt werden, die zur Aufheizung der Atmosphäre historisch gesehen am wenigsten beigetragen haben. Doch das gelingt nur, wenn die Industriestaaten das Kyoto-Protokoll in Durban nicht über Bord werfen. Und wenn sie sich bereit erklären, die Länder des Südens finanziell und technologisch bei der Anpassung ans veränderte Klima und der Umstellung auf einen kohlenstoffarmen Entwicklungspfad kräftig zu unterstützen.
Bremsklotz USA
Nicht China oder Indien, die USA sind seit Jahren die Haupt-Verhinderer in der internationalen Klimapolitik. Regelmässig schiessen sie bei mühsam ausgehandelten Beschlüssen im letzten Moment quer. So vor kurzem bei der Diskussion der Modalitäten für den Grünen Klimafonds, über den Gelder zur Unterstützung der Entwicklungsländer abgewickelt werden. Der Fonds hätte in Durban definitiv eingerichtet werden sollen – ob das gelingt, steht nun in den Sternen.
Und die Schweiz?
Was kann die kleine Schweiz dagegensetzen? Mit einem Anteil von etwa 0,2 Prozent an den weltweiten Emissionen hat sie nur einen geringen Einfluss auf das Weltklima. Dennoch kann sie in den Klimaverhandlungen eine wichtige Rolle spielen. Sie kann entscheidend zur Vertrauensbildung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern beitragen, wenn sie sich klar für die Verlängerung des Kyoto-Protokolls einsetzt und selber zu den notwendigen CO2-Reduktionszielen von 25 bis 40 Prozent bereit ist. Und wenn sie als reiches Land einen angemessenen Beitrag an die Finanzierung von Klimamassnahmen im Süden leistet.
Nicole Werner, Alliance Sud
Nicole Werner nimmt als Mitglied der Schweizer Delegation an der Klimakonferenz von Durban teil.

