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Und wenn sich die Wissenschafter irrten?

Veröffentlicht am: 30. 03. 2010

Fehler in der wissenschaftlichen Arbeit des Weltklimarates haben den Leugnern eines Klimawandels Auftrieb geben. Was aber, wenn sich die Wissenschafter tatsächlich irrten? Ein Beitrag von Peter Niggli, Geschäftsleiter von Alliance Sud.

Louisiana, Texas und Oklahoma verabschiedeten kürzlich Gesetze, wonach die Lehrkräfte wissenschaftliche Theorien über die Evolution und den Klimawandel „kritisch“ behandeln und mit „alternativen“ Theorien konfrontieren müssen. Das Parlament von Süd-Dakota beschloss in einer Resolution, in den Schulen die Klimaerwärmung „ausgewogen“ zu behandeln, unter anderem, weil „CO2 kein Schadstoff ist, sondern vielmehr ein äusserst nutzbringendes Ingredienz für jedes pflanzliche Leben.“ Für die Mehrheitsentscheide sorgten die Republikaner und der klimaskeptische Teil der evangelikalen Bewegung.

Zu Parlamentsentscheiden über den Wahrheitsgehalt wissenschaftlicher Theorien dürfte es in Europa kaum kommen. Aber die Fehler in der wissenschaftlichen Arbeit des Weltklimarats (IPCC), die in letzter Zeit enthüllt worden sind, haben auch hier den Leugnern des Klimawandels Auftrieb verschafft, obwohl die bisher aufgedeckten zwei (!) Fehler den Gehalt der Klimaerwärmungstheorie nicht verändern.

Nehmen wir einmal contre coeur an, die „Klimaskeptiker“ hätten Recht und die Klimaerwärmungstheorie sei falsch. Was würde es schaden, wenn die Welt in den nächsten zwanzig Jahren aus der angeblich falschen Theorie Konsequenzen zöge und auf erneuerbare Energien, Produktionsprozesse mit tiefem Kohlenstoffverbrauch und Bewahrung, statt Abholzung der Urwälder umstellte? Nichts. Kommt hinzu, dass Erdöl nicht unbegrenzt zur Verfügung steht und mittlerweile sogar der Chefökonom der den USA nahestehenden Internationalen Energieagentur den Peak Oil auf 2020 voraussagt.

Von anderen wissenschaftlichen Theorien und ihrer praktischen Umsetzung lässt sich nicht sagen, dass es keine Rolle spielt, ob sie wahr oder falsch sind. Falls die Gen-, Nano- oder Nuklearenergie-Technologie nicht, wie es wissenschaftliche Theorien behaupten, nur harmlose, kontrollierbare Auswirkungen haben, ist mit erheblichen Folgeschäden für die Menschheit zu rechnen. Hier sind die Leugner der Klimaerwärmung jedoch wissenschaftsgläubig. Sie sind sogar bereit, um der allgemeinen Wohlfahrt willen „Restrisiken“ einzugehen. Sie scheuen nur das „Risiko“, dass sich die Klimawissenschaften irren könnten. Dabei besteht das tatsächliche Risiko darin, dass die Klimaerwärmungstheorie stimmt. Handelt, wer sich nicht dagegen versichert und die nötigen Massnahmen ergreift, nicht verantwortungslos?
Peter Niggli, Geschäftsleiter Alliance Sud

Dieser Beitrag erschien als Editoiral in GLOBAL+ Nr. 37. Ausgabe Frühling 2010

 

Klassifizierung: Klima
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