Uno-Klimakonferenz: Die Welt in Klammern
Es ist Halbzeit in Kopenhagen. Der Himmel über der Stadt ist grau. Das ist symptomatisch für das "Wetter" in den Verhandlungsräumen der Uno-Klimakonferenz, wo bislang keine Fortschritte erzielt wurden. Ein Stimmungsbild von Rosmarie Bär, Alliance Sud.
Die ganze Woche war der Himmel über Kopenhagen grau. Die Wolken hingen tief und vermischten sich mit dem Ausstoss der zahlreichen Hochkamine zwischen Stadtzentrum und Kongresszentrum. Symptomatisch ist dies auch für das „Wetter“ im Innern der Verhandlungsräume. Dies drückt sich im Verhandlungstext sichtbar in der Anzahl [Klammern] aus. Positionen, bei denen keine Einigkeit gefunden wurde, stehen zwischen brackets und müssen wieder und wieder weiterverhandelt werden.
"Don't bracket our future"
Kaum ein ganzer Satz, der nicht in Klammern steht. Nicht einmal die von der Wissenschaft angemahnte 2-Grad-Grenze gehört zur gemeinsamen Vision, ebenso wenig wie der Menschenrechtsansatz. Die Aufschrift auf den roten T-Shirts, die von vielen Jugendlichen im Kongresszentrum getragen werden, ist eine treffende Zusammenfassung der 1. Verhandlungswoche: „Don’t bracket our future“.
In Kopenhagen zeigt sich einmal mehr, dass das Bewusstsein der besorgten Weltöffentlichkeit bezüglich der Klimaproblematik viel weiter fortgeschritten ist als die Handlungsbereitschaft der Politik. Die MinisterInnen hätten sich bloss zwei der vielen besorgten Reden anhören müssen. Die Frau aus Uganda, die ohne Wehklagen schilderte: „Ins Dorf, aus dem ich stamme, kam vor einiger Zeit die Flut. Die Menschen flohen. Als sie zurückkehrten, war das Dorf weg. Sie bauten die Häuser wieder auf. Dann kam die Malaria und dann eine grosse Dürre. Und als wäre das nicht genug, kam diesen Sommer erneut die Flut. Jetzt ist das Dorf verlassen.“ Eindrücklich auch der Auftritt von Kumi Naidoo, dem neuen, aus Südafrika stammenden Direktor von Greenpeace International: „Ihr müsst bei eurer Rückkehr euren Kindern und Enkeln in die Augen schauen und sagen können: Ja, wir haben es geschafft“, mahnte er die PolitikerInnen.
Kein Durchbruch in Sicht
Offiziell war der Sonntag, der 3. Advent, verhandlungsfrei. Endlich, nach einer Woche langer, zäher und oft (oder meist) frustrierender Verhandlungen. Aber die am Samstag angereisten rund 50 UmweltministerInnen übernahmen an einem ersten gemeinsamen Treffen von den Verhandlungschefs der ersten Woche die Verantwortung für den weiteren Verlauf der Konferenz. (Am Mittwoch werden sie den Stab an die Regierungschefs weitergeben.)
Zu Feiern gab es dabei nichts. Zwar gibt es in einzelnen Fragen Fortschritte, aber keinen politischen Durchbruch. In den zentralen Fragen wie der Emissionsminderung durch die Industriestaaten und dem Einbezug der Schwellenländer oder darüber, wie viel Geld für die Entwicklungsländer zur Finanzierung der Anpassungsmassnahmen zur Verfügung stehen soll, ist weit und breit kein Konsens in Sicht. Im Gegenteil, die Gräben zwischen Industriestaaten und Schwellen- und Entwicklungsländern sind so breit wie eh und je. Brückenbauer sind nirgends auszumachen. Bei keinem anderen Thema zeigt sich deutlicher, dass die Menschheit zwar eine Schicksals-, aber keine Solidargemeinschaft ist. ...
Lesen Sie hier den ganzen Bericht von Rosmarie Bär, Koordinatorin für Entwicklungspolitik bei Alliance Sud und Mitglied der Schweizer Delegation an der Uno-Klimakonferenz in Kopenhagen.

