Dick Marty unterstützt "Recht ohne Grenzen"
Dick Marty, bis 2011 Mitglied des Ständerates und des Europarates, unterstützt die Forderung nach verbindlichen Regeln für Schweizer Konzerne. Lesen Sie hier das Interview.
Dick Marty, warum unterstützen Sie die Kampagne „Recht ohne Grenzen“?
Ich glaube, dass der Schutz der Menschenrechte durch Unternehmen ein wichtiges und zentrales Anliegen ist, denn die aktuelle gesetzliche Situation birgt ein enormes Gefahrenpotential für unser Land. Die Kampagne ist nicht nur im Interesse der Menschen in den Ländern, in denen der Staat seine Schutzaufgaben nicht wahrnehmen kann. Sie ist auch im Interesse der Unternehmen, für die ihr Image ein enorm wichtiges Gut geworden ist. Und sie ist insbesondere im Interesse der Schweiz, denn auch ihr Ansehen kann auf dem Spiel stehen.
Wieso reichen freiwillige Instrumente zur Selbstregulierung der Unternehmen nicht aus?
Verwaltungsrat und Management eines Unternehmens sollten sich nicht nur um die Finanzbelange ihrer Firma kümmern. Sie solltens sich auch für die Respektierung der Menschenrechte in den Ländern einsetzen, in denen sie via ihre Tochterfirmen tätig sind. Die Selbstregulierung der Firmen allein reicht nicht aus. Nur klare gesetzliche Regeln ermöglichen es den Opfern, ihre Rechte geltend zu machen und die multinationalen Konzerne mit Sitz in der Schweiz in die Verantwortung zu nehmen.
Hat die Schweiz einen speziellen Handlungsbedarf?
Natürlich, denn die Schweiz bezeichnet die Verteidigung der Menschenrechte als einen wichtigen Pfeiler ihrer Aussenpolitik. Zudem gibt es nirgends eine so hohe Dichte an multinationalen Konzernen wie in der Schweiz. Wenn sich die Mutterunternehmen und ihre Filialen im Ausland nicht an die Menschenrechte halten, beschädigen sie auch den Ruf unseres Landes. Der Schweiz droht grosser Schaden, wenn sie nicht aktiv wird. Für einmal könnte die Schweiz mit dem guten Beispiel vorangehen und nicht immer mit Verspätung folgen.
Liegen klare Regeln überhaupt im Interesse der Schweizer Unternehmen?
Klare Regeln, welche Management und Verwaltungsräte der Schweizer Mutterkonzerne in die Pflicht nehmen, sind für alle ein Gewinn: Für die Menschen in den Ländern, in denen der Staat nicht in der Lage ist, die Rechte seiner eigenen Bürger/innen zu schützen. Für Unternehmen, die damit ihren Ruf schützen können – ein Wert, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. Und schliesslich auch für die Schweiz, deren Image stark beschädigt werden könnte, wenn Schweizer Firmen in Skandale verwickelt sind. Rechtsverbindliche Regeln zum Schutz der Menschenrechte und von Umweltstandards würden auch zur Glaubwürdigkeit des Wirtschaftsstandorts Schweiz beitragen.
Interview: Tschoff Löw
Ein Videointerview mit Dick Marty finden SIe auf www.rechtohnegrenzen.ch


