FAO-Gipfel enttäuscht
Der Schweizerische Bauernverband und Alliance Sud, die Arbeitsgemeinschaft der Hilfswerke, sind ernüchtert und enttäuscht vom Ergebnis des dreitägigen Ernährungsgipfels in Rom. Den hehren Worten und Versprechen der Staats- und Regierungschefs ist eine Schlussdeklaration gefolgt, die nicht bloss Stillstand, sondern einen unheilvollen Rückschritt bedeutet. - Medienmitteilung vom 5. Juni 2008
Die Erkenntnis, dass Liberalisierung die bisherigen Versorgungsprobleme mit Lebensmitteln nicht löst, hat sich nicht durchgesetzt. Die uneingeschränkte Liberalisierung der Agrarmärkte hat bisher dazu geführt, dass Nahrungsmittel dorthin fliessen, wo die Kaufkraft ist, und nicht dorthin, wo sie Hunger stillen.
Der Leitspruch der FAO „Fiat panis – es werde Brot“ stehe angesichts des mageren Resultats der Konferenz wie eine Verhöhnung der Millionen von hungernden Menschen an der Wand, sagt Rosmarie Bär, die als Vertreterin von Alliance Sud am Gipfel der Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) teilnahm. Heidi Bravo, Vertreterin des Schweizerischen Bauernverbandes, vermisst das dringend nötige Umdenken in der Landwirtschaftspolitik. Weiterhin werde das Hohelied der Liberalisierung der Agrarmärkte gesungen, was zu einer weiteren Machtkonzentration im internationalen Agrarhandel führe und die Spekulation mit Nahrungsmitteln weiter anheize.
Während drei Tagen erörterten Präsidenten, Regierungschefs und hohe Beamte aus über 190 Ländern Fragen zur Ernährungssicherung, des Klimawandels und der Produktion von Agrotreibstoffen. Die Analysen sind gemacht. Die Gründe und die Zusammenhänge, welche zu dieser Krise geführt haben, sind bekannt und werden durch die Regierungen anerkannt. Doch dies allein hilft den Hungernden nichts!
Die vielfältigen und weltweiten Herausforderungen müssen ausgehend vom Grundsatz des Menschenrechts auf Ernährung angegangen werden. Dem Aufruf, die Landwirtschaft in den einzelnen Ländern wieder ins Zentrum der nachhaltigen Entwicklung zu stellen, müssen entsprechende globale Strategien folgen. Nur durch gemeinsame Verantwortung für unsere Ressourcen und durch Zusammenarbeit zwischen den Staaten, kann ein Weg aus der Krise gefunden werden. Die Investitionen in der Landwirtschaft müssen weltweit auf die bäuerlichen Familienbetriebe ausgerichtet werden, denn sie sind die Hauptverantwortlichen für eine ausreichende lokale und regionale Versorgung mit Nahrungsmitteln.
All diese Erkenntnisse fanden kaum Niederschlag in der Schlussdeklaration. Besteht aber kein Leadership und kein starker Wille zur Veränderung, so findet auch kein Richtungswechsel statt. Die Strukturen der bäuerlichen Familienbetriebe werden im Norden wie im Süden weiter zerstört und die Macht des Agrarbusiness weiter zunehmen, zulasten der nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktion und der Biodiversität. Dies wird dazu führen, dass in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die Zahl der hungernden Menschen weiter zunehmen wird.
Kontakt: Rosmarie Bär, Alliance Sud

