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Welthunger: Gipfel der Ignoranz

Veröffentlicht am: 18. 11. 2009

Am Welternährungsgipfel in Rom ist nichts herausgekommen, das den Hunger in der Welt bekämpft. Symptomatisch für den ganzen Verlauf des Gipfels ist, dass die Abschlusserklärung schon zu Beginn verabschiedet wurde. Konkrete Beschlüsse bezüglich Aktivitäten und finanzielle Verpflichtungen blieben aus.

Der Bundesrat hat sich in den Boykott der OECD Länder gegenüber der FAO eingereiht. Er hat keine hochrangige Delegation nach Rom gesandt und zeigte somit, dass er dem Skandal von über einer Milliarde hungernden Menschen keine hohe Priorität beimisst. „Die Staatengemeinschaft hat sich offenbar entschieden, den Hunger von Gipfel zu Gipfel zu verwalten, statt ihn zu bekämpfen“, bilanziert Rosmarie Bär von Alliance Sud, der entwicklungspolitischen Arbeitsgemeinschaft der grossen Hilfswerke.
In der Abschlusserklärung trägt die Schweiz den Vorsatz mit, bis 2010 0.5% des Bruttosozialproduktes für die Entwicklungshilfe auszugeben. Nimmt der Bundesrat die Gipfelresolution ernst, so müsste er damit auf seinen Entscheid zurückkommen, die Hilfe vorerst nicht zu erhöhen.
Miges Baumann von Brot für alle kritisiert, dass die Schweiz in ihrer Stellungnahme vor allem betonte, die Privatwirtschaft müsse bei der Lösung der Ernährungsprobleme eine zentrale Rolle spielen. „Dabei ist es die Agroindustrie, die mit Hochdruck auf eine industrialisierte Landwirtschaft mit hohem Landverschleiss hinarbeitet und so wesentlich zum Hungerproblem beiträgt,“ so Baumann.
Die Schweiz hat die Stärkung des FAO-Komitees für Nahrungssicherheit (CFS) unterstützt. Die Hilfswerke erwarten nun von der Schweiz, dass sie das Komitee auch mit Taten und Finanzen unterstützt, damit es in der Lage ist, eine kohärente Ernährungspolitik zu realisieren.
Parallel zum offizielle Gipfel fand ein NGO-Forum statt, an dem 700 VertreterInnen von indigenen Völkern sowie Bauern-, Frauen- und Entwicklungsorganisationen teilnahmen. Anders als der Gipfel hat es konkrete Lösungen vorgestellt. Von der Nahrungskrise Betroffene machten klar, dass es nicht mehr Liberalisierung und Industrialisierung braucht, sondern eine konsequente Förderung der umweltfreundlichen, kleinbäuerlichen Landwirtschaft. „Die ökologische Produktion kann die Welt ernähren und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten,“ ist Tina Goethe von Swissaid überzeugt. „Verschiedene Studien belegen, dass der Ökoanbau pro Fläche und Energieeinheit langfristig mehr produziert als die industrielle Produktion.“

Weitere Auskünfte (aus Rom)
Rosmarie Bär, Alliance Sud und Mitglied der Schweizer Delegation, Tel. 079 506 40 66
Miges Baumann, Brot für alle, Tel. 079 471 66 60,
Tina Goethe, Swissaid, Tel. 076 516 59 57

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