Abschied vom grossen «Edutainer»

InfoDoc-Seiten
Hans Rosling, der schwedische Professor für Public Health und Statistik, ist tot. Er selbst bezeichnete sich als Edutainer. Keinem gelang es so gut wie ihm, Wissensvermittlung (education) in eine unterhaltende (entertaining) Form zu bringen.

Hans Rosling zog mit attraktiv aufbereiteten Daten gegen gängige Vorurteile und Vereinfachungen − insbesondere im Entwicklungsbereich − ins Feld. In populären Vorträgen und Videos plädierte er unermüdlich dafür, die Welt nicht einfach in arm und reich zu unterteilen, sondern das Feld zwischen extremer Armut und grenzenlosem Reichtum genauer zu betrachten. So untersuchte Rosling etwa, wer zu welcher Mobilität Zugang hat, wer welche Arbeiten Maschinen überlassen kann. Ein wahrer Youtube-Hit wurde etwa seine TED-Präsentation «The magic washing mashine», die uns lehrt, welche Teile der Weltbevölkerung Zugang zu einer Waschmaschine haben. Und weil schlicht alle Menschen diesen enorm praktischen Komfort anstreben, sei es auch gänzlich unhaltbar, den Ärmsten aus ökologischen Gründen eine Waschmaschine vorzuenthalten.

Video

Hans Rosling and the magic washing machine (2010)

Der TED-Talk von Hans Rosling vom Dezember 2010

Roslings Einmaligkeit bestand darin, an sich trockene Statistik in zugängliche Bilder und Geschichten zu verpacken und diese mit dem Charme und Humor eines liebenswürdigen Professors unter das Publikum zu bringen. Hat ein Mensch oder eine Familie Zugang zu Elektrizität? Zu einem Fahrrad? Zu Schuhen? Was heisst das für den einzelnen? Und wie verhalten sich diese Kategorien zum Einkommen oder der Gesundheit der Betroffenen?

In seinem Video «Don’t panic» über das globale Bevölkerungswachstums porträtierte Rosling unter vielen anderen Geschichten eine Familie, die eher arm aber nicht extrem arm ist. Die Mutter erwartet Zwillinge, wobei sich einer während der Schwangerschaft im Mutterleib nicht gedreht hat. Ein Armutsrisiko! Rosling stellt ihr eine Frau in einem anderen Land – mit funktionierendem Gesundheitssystem und Sozialversicherung – gegenüber und erklärt so mit spielerischer Leichtigkeit aber grosser Ernsthaftigkeit, wie sich die ungerechte globale Verteilung auf Einzelne auswirkt.

Video

DON'T PANIC — Hans Rosling showing the facts about population

58'50" - mit deutschen Untertiteln

Von Haus aus war Hans Rosling Mediziner mit Fachgebiet Public Health (öffentliches Gesundheitswesen). Mit 58 entschied er sich, seine Professur am Karlinska-Institut in Stockholm aufzugeben und sich der Popularisierung der Wissenschaft mit seiner Firma gapminder zu widmen. Am besten aber war Rosling live, wo er mit Videoprojektionen, aber auch mit handfesten Requisiten Wissensvermittlung zu einer nachhaltig wirkenden Show machen konnte. Dabei beschränkte sich sein Einsatz für eine bessere Welt nicht auf Hörsäle und Youtube.  2014 reiste er nach Liberia um dort sein Wissen im Kampf gegen Ebola einzubringen. Seine langjährige Felderfahrung im Bereich Public Health und sein Einsatz für die Popularisierung des Wissens waren zwei Seiten ein und derselben Medaille.  

Die Agenda 2030 mit ihren Zielen für nachhaltige Entwicklung faszinierten Hans Rosling. Er thematisierte den Zusammenhang von Ressourcenverbrauch und Lebensstandard und machte deutlich, dass auch die Verteilungsfrage nicht ausgeklammert werden kann. Keine Frage war es für den Edutainer, dass extreme Armut beendet werden kann. Rein rhetorisch war darum seine Frage «Has the UN gone mad?», mit der Rosling auf das erste Ziel der Entwicklungsagenda «End extreme poverty» anspielte. Mit richtiger Entwicklungszusammenarbeit, mit einem holistischen Blick auf die zahlreichen Probleme der Welt, gibt es für alles eine Lösung. Es war dieser – wissenschaftlich unterfütterte – Optimismus, der Hans Rosling und seine Arbeit so inspirierend machte. Gerade auch für uns von Alliance Sud.

Hans Rosling ist am 7. Februar einem Krebsleiden erlegen. Wir hoffen, dass seine Mitarbeitenden seine grossartige Arbeit in seinem Geist fortführen werden.