SRG-Ombudsstelle kritisiert ECO-Sendung von SRF

Medienmitteilung
Das Wirtschaftsmagazin ECO des Fernsehens SRF hat unzulässig einseitig über die Entwicklungshilfe berichtet. Die SRG-Ombudsstelle bestätigt, dass die Sendung journalistischen Kriterien nicht genügte.

Medienmitteilung von Alliance Sud vom 7. Dezember 2015

«Entwicklungshilfe-Milliarden bringen wenig», behauptete das SRF-Wirtschaftsmagazin ECO in einer Themensendung am 21. September. Und liess ausschliesslich Kritiker der Entwicklungszusammenarbeit zu Wort kommen. Die Ombudsstelle der SRG.D bestätigt jetzt die Kritik von Alliance Sud: «Aufgrund der vermittelten Fakten und Meinungen konnte sich das Publikum ungenügend eine Meinung bilden».
Thema und Zeitpunkt der Sendung waren gut gewählt. Eine Woche vor der Verabschiedung der Uno-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklungsziele (SDG) fragte ECO nach dem Nutzen der Entwicklungshilfe. Die Redaktion recherchierte jedoch nur in eine Richtung und mit der These, dass alleine Privatinitiative und Wirtschaftswachstum die Armut verringerten. Alliance Sud, die entwicklungspolitische Organisation der Schweizer Hilfswerke, begrüsst zwar ausdrücklich jede differenzierte Auseinandersetzung über die Ursachen von globaler Ungleichheit. Den einseitigen Thesenjournalismus von ECO hat sie dagegen bei der SRG-Ombudsstelle beanstandet. Und von deren Präsidenten Achille Casanova Recht erhalten: «Die Analyse der vier Beiträge (…) bestätigt Ihre Kritik. Die einseitige Art und Weise, wie die klassische „staatliche Entwicklungshilfe“ nur negativ dargestellt wurde, ermöglichte ECO seine These zu begründen.» Zwar könne ein Thema durchaus aus einem bestimmten Blickwinkel beleuchtet werden, aber nur «wenn dies in transparenter Weise geschieht und die wesentlichen Fakten korrekt vermittelt werden.»
ECO hatte als Kronzeugen ihrer These den Entwicklungsökonomen Angus Deaton aufgeboten. Die  Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) wurde mit einer Schrifttafel zitiert, Vertreter eines Hilfswerk oder von Alliance Sud konnten keine Stellung dazu nehmen. Dagegen wurde die Arbeit des Swiss Investment Funds for Emerging Markets (Sifem) unkritisch gelobt. Obwohl gerade dieses Element der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit wegen intransparenter Vergabepraxis in den letzten Monaten stark in die Kritik geraten ist.
Mark Herkenrath, Geschäftsleiter von Alliance Sud: «Das undifferenzierte Schlechtreden der Entwicklungszusammenarbeit ist einfach nur schlechter Journalismus. Wichtig wäre, dass die Medien sowohl auf die Erfolge als auch auf tatsächlich vorhandene Probleme hinweisen. Denn die Schweiz lässt ihren Worten im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung zu wenig Taten folgen. Im Gegenteil: 2016 und 2017 werden die Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit reduziert. Das vom Parlament gesteckt Ziel, 0.5% unseres Nationaleinkommens dafür bereitzustellen, wird wohl bis und mit 2020 verfehlt.»
Alliance Sud verzichtet darauf, bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz (UBI) eine Klage wegen Verletzung der Konzession anzustreben, hofft jedoch, dass die Redaktion ECO von SRF in Zukunft ihre journalistische Pflicht mit mehr Sorgfalt wahrnimmt.