Offene Stelle: Schweizer Entwicklungsminister/in

Politischer Artikel
Infolge Rücktritt des Stelleninhabers suchen wir per 1. November 2017 ein neues Mitglied der Schweizer Landesregierung. Auskunft zum Anforderungsprofil und den Herausforderungen, die Sie erwarten, erteilt Alliance Sud.

Sind auch Sie überzeugt, dass gerechte Lebensverhältnisse in den Entwicklungsländern für die Sicherheit, Wirtschaft und Zukunft der Schweiz unabdingbar sind? Ärgert es Sie, dass die aktuelle internationale Steuer-, Handels- und Klimapolitik der Schweiz diesem Ziel schaden? Haben Sie Lust, die langfristigen Interessen der Schweiz gegenüber politisch kurzsichtigeren Amtskolleg/innen und Parlamentsmehrheiten nachdrücklich zu verteidigen? Dann sind Sie unser/e Topkandidat/in für die per 1. November 2017 frei werdende Stelle als:

Aussenminister/in der Schweiz mit besonderer Zuständigkeit für Entwicklungspolitik und -zusammenarbeit (ca. 150%)
 

In den meisten Entwicklungsländern ist die absolute Armut in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Das ist nicht zuletzt das Verdienst erfolgreicher internationaler Entwicklungszusammenarbeit. Gleichzeitig nahm aber in zu vielen ärmeren Ländern die Einkommensungleichheit zu: Wirtschaftswachstum diente hier vor allem den lokalen Eliten und den Auslandkonzernen. Für diese Fehlentwicklung ist in erster Linie die internationale Politik verantwortlich. Sie wird von Industrieländern wie der Schweiz dominiert, die in ungleichen Abkommen ihre kurzfristigen Handelsinteressen durchsetzen, Steuerhinterziehung schützen, Landraub zulassen und Raubbau an der Natur begünstigen.

Die Folgen dieser Politik sind verheerend. Steigende Ungleichheit in ärmeren Ländern bedeutet, dass verschärfte soziale Konflikte entstehen. Es drohen gewaltbereiter Fundamentalismus und Radikalisierung, Arbeitsmigration ins stabilere Ausland, Bürgerkriege und unkontrollierbare Fluchtströme mit globalen Konsequenzen. Die Wahrung kurzfristiger Eigeninteressen in der internationalen Politik fällt über kurz oder lang nicht nur auf die Verantwortlichen, sondern auf ihre eigenen Bevölkerungen zurück.

In Ihrer zukünftigen Funktion als Aussenminister/in der Schweiz erwarten wir von Ihnen deshalb eine Politik, die proaktiv die Ursachen globaler Krisen anpackt. Das setzt folgende Eigenschaften voraus:

  • die Bereitschaft, jedes bundespolitische Geschäft auf seine Auswirkungen für die Entwicklungsländer zu prüfen und einen beherzten Einsatz für die entwicklungspolitische Kohärenz. Als zukünftige/r Stelleninhaber/in wissen Sie, dass es nicht länger genügt, die Fortschritte der Schweiz bei der Rückerstattung von Potentatengeldern zu würdigen und ihren Einsatz für die Einhaltung der Menschenrechte wortreich zu beschwören. Sie setzen sich stattdessen auch sichtbar für Massnahmen gegen die Steuerflucht in die Schweiz, gegen die Gewinnverschiebungen multinationaler Konzerne und für eine verbindliche menschenrechtliche Sorgfaltspflicht der Unternehmen ein.
  • unbedingtes Interesse an der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit. Humanitäre (Not-)Hilfe und Friedensförderung sind enorm wichtig und stärken das internationale Profil der Schweiz. Sie ersetzen aber nicht die Förderung von Lebensperspektiven in ärmeren Ländern, die (noch) nicht in einer akuten politischen Krise stecken. In Ihrer zukünftigen Funktion engagieren Sie sich deshalb auch hier mit Herzblut.
  • Sprachliche Gewandtheit, Sicherheit im Auftritt, Intelligenz und Charme, aber auch Leadership und Hartnäckigkeit. Allzu hohe Kompromissbereitschaft wird nicht erwartet. Sie bewirkt nur, dass die Budgets der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit weiterhin für zweckfremde Anliegen wie die Asylpolitik und die Abgeltung internationaler Klimamassnahmen missbraucht werden. Es gehört mit zu Ihren zukünftigen Aufgaben, dieser unrühmlichen Tendenz ein Ende zu setzen. 

In Ihrer zukünftigen Funktion als Aussenminister/in stehen Sie vor der schwierigen Herausforderung, dass es für diplomatische Aufgaben im Bundesbudget zu wenig Mittel gibt. Wir erwarten jedoch ausdrücklich nicht, dass Sie die Entwicklungszusammenarbeit weiterhin für die Pflege diplomatischer Beziehungen und die Förderung aussenwirtschaftlicher Interessen missbrauchen. Zu ihren Aufgaben wird vielmehr gehören, die knappen Finanzmittel und die Expertise der Entwicklungszusammenarbeit auf ärmere Kontexte zu fokussieren, um dort einen maximalen Beitrag zur Entwicklung zu leisten. Gegen weitere Kürzungen dieser Mittel kämpfen Sie selbstverständlich mit aller Kraft.

Für weitere Informationen steht Ihnen Herr Mark Herkenrath, Geschäftsleiter der entwicklungspolitischen Arbeitsgemeinschaft Alliance Sud, gerne jederzeit zur Verfügung, auch ausserhalb der Bürozeiten und während der bevorstehenden Sommerpause. Ihre Bewerbung richten Sie bitte direkt an die Bundesversammlung.