Ökologische Landwirtschaft gegen den Klimawandel

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Dieses Frühjahr verabschiedet der Uno-Klimarat IPCC weitere Teile seines Sachstandsberichts. Klar ist bereits jetzt: Investitionen in Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und zum Klimaschutz zahlen sich für die gesamte Menschheit aus.

Im zweiten, in Kürze erscheinenden Teil des IPCC-Berichts geht es um die Auswirkungen des Klimawandels auf Mensch und Natur. Im dritten Teil, der im April in Berlin verabschiedet werden soll, stehen der Klimaschutz und dessen wirtschaftliche Implikationen im Zentrum.   

Der erste Teil des fünften Klimaberichts befasst sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels. Er ist seit September letzten Jahres veröffentlicht und hält unter anderem fest, dass der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 bei einem ungebremsten Klimawandel bis zu achtzig Zentimeter steigen wird. Mit anderen Worten: Die pazifischen Atolle Tuvalu, Kiribati und Marshall Inseln werden noch in diesem Jahrhundert zu einem grossen Teil überflutet, sofern nicht endlich der Ausstoss von Klimagasen sinkt.

Neben dem Extrem des Untergangs ganzer Inseln hat der fortgesetzte Klimawandel weitere dramatische Folgen. Die Wissenschaft bestätigt schon heute: Durch höhere Temperatur- und Niederschlagsschwankungen werden die Ernteerträge in vielen Entwicklungsländern abnehmen. Die Ärmsten dieser Welt werden nicht nur weiterhin hungern, dursten und in der Armutsfalle gefangen bleiben, der Klimawandel macht damit auch bereits erzielte Entwicklungsfortschritte wieder zunichte.

Resilienz durch ökologische Landwirtschaft

Einen erheblichen Beitrag zur Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern kann die ökologische Landwirtschaft leisten. Forschungsergebnisse belegen, dass die Erträge in Entwicklungsländern durch biologischen Landbau um bis zu 80 Prozent über denen der konventionellen Landwirtschaft liegen1. Schonende Bodenbearbeitung wirkt der Verdichtung von Böden entgegen. Der Boden kann dadurch mehr Wasser speichern und die Erosion nimmt ab. Zudem bleiben mehr CO2 und Stickstoff, ein wichtiges Element zur Pflanzenernährung, im Boden gespeichert.

Gerade dem durch den Klimawandel zunehmenden Hitze- und Wasserstress für Pflanzen kann mit der ökologischen, diversifizierten Landwirtschaft begegnet werden. Das Risiko von Ernteausfällen sinkt, wenn Bauern und Bäuerinnen ihre Produktion diversifizieren, indem sie verschiedene Sorten von Ackerpflanzen einsetzen, welche jeweils bei unterschiedlichen klimatischen Bedingungen den besten Ertrag liefern.

Durch die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft haben 45‘000 Familien in Honduras und Guatemala ihre Getreideernte von 400-600 kg auf 2‘000-2‘500 kg pro Hektare steigern können. In Burkina Faso und Niger haben Boden- und Gewässerschutz in Trockengebieten degradiertes Land wieder fruchtbar gemacht.

Doch selbst «best practices» haben ihre Grenzen. Bei einer globalen Temperaturerhöhung von mehr als zwei Grad Celsius sind die globalen Folgen unberechenbar. Armut wird entgegen den Vorgaben der Millenniumsentwicklungsziele wieder zunehmen, wenn nicht umgehend die erforderlichen Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und zum Klimaschutz getroffen werden.

1 Catherine Badgley, Jeremy Moghtader, Eileen Quintero, Emily Zakem, M. Jahi Chappell, Katia Avilés-Vázquez, Andrea Samulon and Ivette Perfecto (2007). Organic agriculture and the global food supply. Renewable Agriculture and Food Systems, 22, S. 86-108.