Nationalbank: Klima-Stresstest für Finanzplatz

Klimaallianz Schweiz
Medienmitteilung
Die Schweizerische Nationalbank befördert eine katastrophale Temperaturerwärmung von 4-6 Grad. Anlässlich ihrer GV fordert die Klima-Allianz einen Klima-Stresstest um die Stabilität des Finanzsystems und das Klima besser zu schützen.

Medienmitteilung der Klima-Allianz Schweiz vom 23. April 2018

Die Schweizerische Nationalbank befördert eine katastrophale Temperaturerwärmung von 4-6 Grad. Dies steht im Widerspruch zu den eigenen Anlagerichtlinien, die Investitionen in Unternehmen ausschliessen, die systematisch gravierende Umweltschäden verursachen. Anlässlich der Generalversammlung vom 27. April fordert die Klima-Allianz einen Klima-Stresstest und veröffentlicht konkrete Empfehlungen, wie die Stabilität des Finanzsystems und das Klima geschützt werden könnten.

Die Aktienanlagen der Nationalbank sind für mehr als der jährliche CO2-Ausstoss der gesamten Schweiz verantwortlich und befördern eine Temperaturerwärmung von 4 bis 6 Grad. Die Treibhausgasemissionen stammen schwergewichtig von den Kohle- Erdöl- und Erdgas-Firmen. Mit ihrem Geld finanziert die Nationalbank Exploration, Erschliessung und Förderung neuer Vorkommen fossiler Brennstoffe. Dies belegt auch eine neue Studie der Artisans de la Transition in Zusammenarbeit mit Fossil-Free, die am Dienstag 24. April veröffentlicht wird.

Die Nationalbank weicht bis heute der Frage nach Klimarisiken aus, obwohl die Schweiz das Pariser Klimaabkommen letztes Jahr ratifiziert hat. Neben der Minderung der Treibhausgasemissionen und der Stärkung der Adaptation an den Klimawandel legt der Vertrag als dritten, gleichwertigen Pfeiler die Umlenkung der Finanzflüsse fest, damit das Ziel einer Erwärmung von deutlich unter 2 Grad eingehalten werden kann.

«Die Nationalbank muss den Finanzplatz Schweiz einem Klima-Stresstest unterziehen», erklärt Christian Lüthi, Geschäftsleiter der Klima-Allianz Schweiz. «Je später die Nationalbank wirksame Massnahmen ergreift, desto plötzlicher kann es zu einer Krise des Schweizer Finanzsystems kommen.»

Die Klima-Allianz, ein Zusammenschluss von 73 Organisationen aus den Bereichen Umwelt-, Entwicklungs- und Sozialpolitik, hat konkrete Empfehlungen veröffentlicht (vgl. Anhang), wie die Nationalbank die Stabilität des Schweizer Finanzsystems und das Klima schützen kann.

«Ohne die Dekarbonisierung der Nationalbank ist das Pariser Klimaabkommen nicht umsetzbar», so Christian Lüthi. Bereits haben die Europäische Zentralbank sowie acht Zentralbanken und Aufsichtsbehörden von England, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Schweden, China, Singapur und Mexiko erklärt, ihre Führungsrolle beim Klimaschutz wahrzunehmen.

Für Rückfragen

  • Christian Lüthi, Geschäftsleiter Klima-Allianz Schweiz, +41 76 580 44 99
  • Sandro Leuenberger, Projektverantwortlicher, Klima-Allianz, +41 79 941 30 19

Experten, welche an der Ausarbeitung der «Empfehlungen zu Klimarisiken» beteiligt waren:

  • Prof. Sergio Rossi, Chaire de macroéconomie et d'économie monétaire, Universität Freiburg, Tel. 079 293 94 06
  • Prof. Marc Chesney, Head of Dept of Banking and Finance, Universität Zürich, Tel. 044 634 45 80 / 634 41 07 (Sekr.)
  • Prof. Philippe Thalmann, Professur für Umweltökonomie, Nachhaltige Entwicklung und Klimawandel, EPFL Lausanne, Tel. 021 693 73 21
  • Prof. Stefano Battiston, Professur für Dynamik von Finanzsystemen, Gründer FINEXUS Center for Financial Networks and Sustainability, Dept of Banking and Finance, Universität Zürich, 044 634 40 58
  • Prof. Anthony Patt, Umweltsystemwissenschaften, Klimaschutz und -anpassung, ETH Zürich, Tel. 044 632 58 21

 

Empfehlungen zu Klimarisiken an die Schweizer Nationalbank

Die Klima-Allianz zeigt mit den folgenden Empfehlungen, wie die Nationalbank im bestehenden Mandat klimafreundlich investieren kann und ihrer Aufgabe zur Bewahrung der Finanzstabilität durch Einbezug der Klimarisiken nachkommen soll:

  1. Die Nationalbank bekennt sich in einem öffentlichen Schreiben zum Pariser Klimaabkommen und zu den UN Sustainable Development Goals und gibt die ersten Schritte bekannt.
  2. Die Nationalbank erarbeitet vorsorglich Grundlagen, welche die Beherrschung der Klimarisiken im Rahmen der Erhaltung der Stabilität des Finanzsystems ermöglichen.
  3. Die Nationalbank beginnt mit der Durchführung von Klima-Stresstests sowie Szenarioanalysen für den Schweizer Finanzsektor - Versicherungen, Banken, Pensionskassen - und veröffentlicht Massnahmen zur Eindämmung von Makro-Risiken.
  4. Die Nationalbank evaluiert die Exposition ihrer eigenen Investitionen gegenüber Klimarisiken.
  5. Die Nationalbank erweitert die Anlagerichtlinien, um Investitionen in Unternehmen auszuschliessen, die systematisch gravierende Klimaschäden verursachen.
  6. Die Nationalbank ermittelt und veröffentlicht die 2°C-Kompatibilität und die CO2-Emissionen ihrer Wertschriften-Portfolios.
  7. Die Nationalbank legt offen, mit welchen Massnahmen sie den 2°C-Kompatibilitätspfad rechtzeitig erreichen und die CO2-Emissionen reduzieren will, und wie sie deren Erfolg messen wird.
  8. Die Nationalbank beginnt, die Kohlefirmen und die Unternehmen mit den grössten fossilen Energiereserven der Liste Carbon Underground 200 zu desinvestieren.
  9. Für die weiteren den Klimarisiken ausgesetzten Sektoren (z.B. der Stromproduzenten, der Ausrüster von fossilen Energieunternehmen oder der Automobilhersteller) greift Die Nationalbank ergänzend nach einem «Best in class» Ansatz ein. Sie fördert diejenigen Firmen, welche die Energietransition entschlossen umsetzen (z.B. mit der Umstellung auf erneuerbare Energien).

 

Hintergrund-Information: Klimarisiken der Nationalbank

Eine im Dezember 2016 veröffentlichte Studie der Artisans de la Transition und von fossil-free.ch zeigt auf, dass die Nationalbank mit ihren Aktienanlagen jährlich einen ähnlich hohen CO2-Ausstoss produziert wie die gesamte Schweiz. Sie befördert ein Klima-Szenario von 4 bis 6 Grad und liegt weitab vom Ziel des durch die Schweiz ratifizierten Pariser Abkommens von 2015, welches die Erwärmung auf unter 2°C begrenzen will. Dieser Befund wird durch eine neue Studie der Artisans de la Transition und von fossil-free.ch bestätigt, die am Dienstag, 24. April veröffentlicht wird.

Im April 2017 forderten mit dem Klimaschutz-Memento 135 Persönlichkeiten aus Natur- und Umweltwissenschaft, aus Wirtschafts-, Rechts- und Finanzwissenschaft, aus Ethik und Nachhaltigkeit, aus Glaubensgemeinschaften, Hilfswerken, Umweltorganisationen sowie aus der Politik die Schweizer Nationalbank (SNB) auf, aus Investitionen in Kohle, Erdöl und Erdgas auszusteigen.

Mit einer im Juni 2017 eingereichten parlamentarischen Initiative zur Änderung der Nationalbankgesetzes schlägt Nationalrätin Adèle Thorens vor, dass im Auftrag, die allgemeine Wirtschaftspolitik des Bundes zu unterstützen, die nachhaltige Entwicklung und die dauerhafte Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen eindeutig eingeschlossen wird. 

 

Strassenaktion an GV-Nationalbank 27. April

Anlässlich der Generalversammlung der Nationalbank am 27. April in Bern findet eine Strassenaktion von fossil-free.ch und der Grands-parents pour le climat statt, die Mitglieder der Klima-Allianz Schweiz sind.

Datum und Zeit: Freitag, 27.April, 09.45 Uhr
Ort: Eingang Kursaal Bern, Kornhausstrasse 3, 3013 Bern

 

                                                                                  

Über die Klima-Allianz Schweiz

Die Klima-Allianz Schweiz umfasst 73 Organisationen aus den Bereichen Umwelt-, Entwicklungs- und Sozialpolitik sowie aus Politik und Kirchen. Zusammen setzen sie sich ein für eine gerechte, zukunftsfähige Klimapolitik der Schweiz. www.klima-allianz.ch.

A Rocha Suisse
ACG Association Climat Genève
ACSI - Associazione consumatrici e consumatori della Svizzera italiana
Actares - Aktionariat mit Verantwortung
aefu - Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz
Alliance Sud
Alpen-Initiative
Alternatiba Léman
Artisans de la Transition
Biomasse Suisse
BirdLife Schweiz
Brot für alle
Bruno Manser Fonds
Campax
CCJS Coordination Climat Justice Sociale
CIPRA
Comundo
Eaternity
Evangelische Frauen Schweiz
Fastenopfer
Fondation Antenna Technologies
Fossilfree
Generation Klima Schweiz
GIBB Gesundes Haus / Gibbeco
GLP
Grands-Parents pour le Climat
Greenbuzz
Greenpeace
Grüne Partei
Grüner Fisch
Hausverein
HEKS
Helvetas
Incomindios
Integrale Politik
INWO
Junge Grüne
Kleinbauern-Vereinigung
KlimaSeniorinnen
Mountain Wilderness
myblueplanet
myclimate
Naturfreunde Schweiz NFS
Noé21
Oeku Kirche und Umwelt
Ökozentrum Langenbruck
PanEco
Partner Sein
Pro Natura
Pro Velo
Protect Our Winters
Public Eye
Religiöse Gesellschaft der Schweizer Quäker
SES
SEV Gewerkschaft des Verkehrspersonals
SGB Schweizerischer Gewerkschaftsbund
SKF Schweizerischer Katholischer Frauenbund
SKS Stiftung Konsumentenschutz
SolarSpar
Solidar Suisse
SP Schweiz
SSES
SSF Schweiz. Schutzverband gegen Flugemissionen
Swissaid
Swissolar
SYFC Swiss Youth for Climate
Terre des hommes
Thinkpact Zukunft
umverkehR
vbu Vereinigung Bündner Umweltorganisationen
VCS
WWF
Zukunft statt Kohle