Nationalbank soll aus fossilen Energie aussteigen

Medienmitteilung
In einem «Klimaschutz-Memento» fordern über 130 Persönlichkeiten die Schweizer Nationalbank auf, aus Investitionen in fossile Energien auszusteigen.

Medienmitteilung der Klima-Allianz vom 19. April 2017

Die Anlagepolitik der Schweizer Nationalbank missachtet das UN-Klimaschutzabkommen von Paris. Mit einem Klimaschutz-Memento und einer Aktion der Klima-Allianz fordern 135 Persönlichkeiten die Schweizer Nationalbank anlässlich der Generalversammlung am 28. April 2017 auf, einen Ausstiegsplan aus fossilen Energien vorzulegen. Die Investitionen der Nationalbank in Kohle, Erdöl und Erdgas entsprechen dem jährlichen CO₂-Ausstoss der gesamten Schweiz.

Übergabe des Klimaschutz-Memento an die SNB durch die Klima-Allianz Schweiz
Datum und Zeit: Donnerstag, 20. April 2017, 11:00 Uhr
Ort: Schweizerische Nationalbank, Börsenstrasse 15, Zürich

Strassenaktion der Klima-Allianz an der SNB-Generalversammlung
Datum und Zeit: Freitag, 28. April 2017, 10:00 Uhr
Ort: Ecke Bärenplatz/Bundesplatz, Bern

Mit dem Klimaschutz-Memento fordern 135 Persönlichkeiten aus Natur- und Umweltwissenschaft, aus Wirtschafts-, Rechts- und Finanzwissenschaft, aus Ethik und Nachhaltigkeit, aus Glaubensgemeinschaften, Hilfswerken, Umweltorganisationen sowie aus der Politik die Schweizer Nationalbank (SNB) auf, aus Investitionen in Kohle, Erdöl und Erdgas auszusteigen. Sie werden bis heute unterstützt durch 2700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Online-Petition.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Artisans de la Transition deckt auf, dass die Nationalbank weiterhin 10,8 Prozent des US-Aktienportfolios in die fossile Industrie investiert. Diese Anlagen produzieren jährlich einen ähnlich hohen CO₂-Ausstoss wie die gesamte Schweiz.

Die Unterzeichnenden des Klimaschutz-Memento fordern die SNB auf, die CO₂-Emissionen des gesamten global angelegten Portfolios zu veröffentlichen sowie einen Ausstiegsplan aus fossilen Energien vorzulegen. Sie soll in Zukunft Investitionen in die grössten CO₂-Verursacher ausschliessen. Darunter fallen Unternehmen mit den grössten Reserven an Kohle, Erdöl und Erdgas, Schiefergas-Förderer und andere stark in Kohle investierte Firmen.

Die klimaschädliche Anlagepolitik der SNB hat bereits die Aktionärsgruppe «Assemblée des Actionnaires Actifs Positifs» zum Handeln veranlasst. Anlässlich der Generalversammlung vom 28. April fordert sie den Ausschluss der Produzenten fossiler Treibstoffe aus dem SNB-Portfolio.  

Die Schweizer Nationalbank investiert weiterhin in die Exploration, Erschliessung und Förderung neuer Vorkommen von fossilen Energien. Die gegenwärtige Anlagepolitik widerspricht damit dem Ziel des Bundesrates, Finanzströme so umzulenken, dass die Begrenzung der Erwärmung auf unter 2°C erreicht wird. Damit missachtet die Nationalbank das Pariser Klimaabkommen von 2015.

Für Rückfragen:
Christian Lüthi, Geschäftsleiter Klima-Allianz Schweiz, +41 76 580 44 99

Weiterführende Informationen für die Redaktionen
Klimaschutz-Memento: Ausschluss von Investitionen in fossile Unternehmen
Online-Petition Klima-Allianz (Gesamte Schweiz: 2700 Unterzeichner)
Studie der Artisans de la Transition
GV-Anträge der Aktionärengruppe AAA+, aaapositifs.ch

Investitionen der SNB in den USA: ein Desaster für Finanzen und Klima    
Mit 61,5 Milliarden US-Dollars, die an US-Börsen angelegt sind, emittiert die Schweizer Nationalbank (SNB) so viel CO₂ wie die ganze Schweiz. Sie befördert ein Klima-Szenario von +4°C bis +6°C und liegt weitab vom Ziel des Pariser Abkommens, welches die Erwärmung auf unter 2°C begrenzen will. Statt damit solide Renditen zu erzielen, hat die SNB mit ihren Anlagen in die fossile US-Industrie in drei Jahren 4 Milliarden US-Dollars verloren, wie die im Auftrag der Artisans de la transition von South Pole Group durchgeführten Studie zeigt. Alle 2535 Titel im USA-Portfolio der Nationalbank wurden auf deren CO₂-Emissionen untersucht sowie der Verlauf ihres Wertes vom 1. Januar 2013 bis 31. Dezember 2015 ermittelt.

Unterzeichnenden Persönlichkeiten (Auswahl):                  

Prof. Dr. Christophe Ballif, Directeur du Laboratoire de Photovoltaique, EPFL Lausanne
Prof. Dr. Dominique Bourg, Géographie et durabilité, Université Lausanne        
Marcos Buser, Geologe und Sozialwissenschafter, Experte für Entsorgung und Endlagerung
Prof. Dr. Marc Chesney, Head of Dept of Banking and Finance, Universität Zürich
Dr. h.c. Remo Galli, Alt-Nationalrat CVP BE, Vorstandsmitglied aquaviva (vorm. Rheinaubund, für dynamische Gewässer)  
Prof. Dr. Anton Gunzinger, Unternehmer und Dozent Informationstechnologie und Elektrotechnik, ETH Zürich
Prof. em. Dr. Heinz Gutscher, Chair ProClim, SCNAT (Akademie der Naturwissenschaften Schweiz), Sozialpsychologie, Universität Zürich      Prof. Dr. Janet Hering, Umweltchemie und -Biochemie, Direktorin Wasserforschungsinstitut EAWAG               
Prof. Dr. Fortunat Joos, Klima- und Umweltphysik, Präsident Oeschger Centre for Climate Change Research, Universität Bern  
Prof. em. Dr. Wolf Linder, Politikwissenschaften, Universität Bern              
Dr. phil. Carola Meier-Seethaler, Philosophin und Psychotherapeutin, Buchautorin    Rudolf Meyer, Ehrenpräsident Actares, actionnariat responsable/AktionärInnen für nachhaltiges Wirtschaften                  
Monseigneur Prof. Dr. Charles Morerod, Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz, Bischof von Lausanne, Genf, Freiburg. Botschafter der Enzyklika Laudato Si' von Papst Franziskus über die Sorge für das gemeinsame Haus
Markus Mugglin, Journalist und Ökonom, Buchautor; Mitglied des Vorstandes der Schweizerischen Gesellschaft für Aussenpolitik SGA / ASPE
Prof. em. h.c. Jacques Neirynck, Sciences et techniques de l'ingénieur, EPFL Lausanne, Ancien conseiller national et député au Grand conseil vaudois, PDC          
Marco Piffaretti, Elektromobilität-Pionier, Owner Protoscar SA "CleanCar Shapers"  
Dr. Kathy Riklin, Nationalrätin CVP, Mitglied Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK-N) und Aussenpolitische Kommission APK-N              
Dr. Philippe Roch, Ancien directeur de l'Office fédéral de l'environnement, des forêts et du paysage (OFEV)            
Prof. em. Dr. Hans Ruh, ehem. Direktor Institut für Sozialethik, Universität Zürich, Mitgründer und Präsident BlueValue – Ethikkompetenz für Wirtschaft und Investment   
PD Dr. Irmi Seidl, Leiterin Wirtschaft- und Sozialwissenschaften Eidg. Forschungsanstalt WSL, Dozentin Ökologische Ökonomik ETH Zürich / Universität Zürich
Prof. em. Dr. Jakob Tanner, Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Universität Zürich
Prof. Dr. Philippe Thalmann, Economie de l'environnement, EPFL Lausanne      
Dr. med. Martin Vosseler, Initiant PSR/IPPNW Schweiz, Mitgründer sun21, Solarkatamaran-Atlantikquerer
Prof. em. Dr. Heinz Wanner, Oeschger Centre for Climate Change Research, Universität Bern
Prof. h.c. Dr. Walter Wildi, Géologie, Université de Genève, Experte für Entsorgung und Endlagerung
Emil Zopfi, Schriftsteller