#ES2050: Aus Sicht der Entwicklungsländer ein Muss

Politischer Artikel
Das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050, das am 21. Mai zur Abstimmung kommt, ist entwicklungspolitisch in vielerlei Hinsicht sinnvoll.

Zum einen muss die Schweiz ihren Klimafussabdruck und die dadurch verursachten negativen Auswirkungen auf Bevölkerungen des Südens verringern. Zum andern trägt die Förderung von erneuerbaren Energie-Lösungen zur Entwicklung und Verbreitung zukunftsfähiger Ansätze bei; nicht zuletzt auch in Entwicklungsländern. Ein Rückgang in der Nachfrage nach fossilen und nuklearen Energierohstoffen hilft aber auch, die oft miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen in den Erdöl-, Gas- oder Uranabbaugebieten zu verbessern.

Der fortschreitende Klimawandel stellt die Ärmsten dieser Welt vor enorme Herausforderungen. Oft sind die am meisten betroffenen Menschen in Entwicklungsländern jene, die bereits heute um ihre tägliche Ernährung und Sicherheit ringen. Sie sind den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels am stärksten und vor allem am schutzlosesten ausgesetzt. Nur eine rasche, weltweite Reduktion der menschenverursachten Treibhausgase kann die für sie oft katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels abbremsen. Denn sie verfügen aufgrund ihrer Armut kaum über das notwendige Knowhow und die Ressourcen, um sich gegen unvorhersehbare Wetterextreme, zunehmende Dürren und Überschwemmungen zu wappnen.

Als Industrieland mit hohen Pro-Kopf-Emissionen trägt die Schweiz eine besondere internationale Verantwortung. Gut 70 Prozent der Treibhausgasemissionen in der Schweiz entstehen bei der Nutzung fossiler Brenn- und Treibstoffe. Im Rahmen des Pariser Klimaabkommens verpflichtet sich die Schweiz, ihren Teil zur Reduktion der Treibhausgasbelastung der Atmosphäre zu leisten, damit der globale Temperaturanstieg auf möglichst 1,5 Grad begrenzt und die negativen Auswirkungen minimiert werden.

Die Energiestrategie 2050 ist ein Schritt in diese Richtung, sie stellt aber auch einen wesentlichen Beitrag im Rahmen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung dar. Denn die Beschleunigung innovativer und emissionsärmerer Energiesysteme kommt nicht nur der Schweiz, sondern via Forschungsfortschritte, Wissenstransfer und Entwicklungszusammenarbeit auch Bevölkerungen des globalen Südens zugute. Die Entwicklungsländer stehen vor der Herausforderung, ihrer Bevölkerung flächendeckend und nachhaltig Zugang zu Energie zu ermöglichen. Klar ist, dass dies nur mittels erneuerbaren, dezentralen Energie-Lösungen machbar und zu verantworten ist. Die 48 ärmsten und vom Klimawandel am stärksten betroffenen Länder des «Climate Vulnerable Forum» haben denn auch an der letzten Klimakonferenz in Marrakesch angekündigt, dass sie ihre gesamte Energieversorgung bis spätestens 2050 auf 100% erneuerbare Quellen umstellen und ausbauen werden.

Schon nur aus diesem Grund gibt es für wohlhabende Staaten wie die Schweiz keine Ausreden mehr. Wir müssen unsere Energieversorgung rasch und konsequent auf nachhaltige und klimaschonende Quellen umstellen. Die Energiestrategie 2050 sieht zudem eine Erhöhung der Investitionen in Innovationsförderung vor, was indirekt auch die Bestrebungen der Länder des Südens unterstützt.

Nicht zuletzt verringert die Energiestrategie 2050 (als guter Kompromiss zwischen einer sicheren Schweizer Energieversorgung und verstärktem Natur- und Klimaschutz) auch die Nachfrage und dadurch die negativen Begleiterscheinungen auf die Fördergebiete fossiler und nuklearer Energien. Die Menschen in Entwicklungsländern, aus welchen die Schweiz die fossilen und atomaren Rohstoffe bezieht, sind mit zum Teil katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen konfrontiert. Umweltverschmutzung, bedrohte Wasser- und Bodenressourcen sowie miserable Arbeitsbedingungen sind eine direkte Folge der ungebremsten Nachfrage aus Ländern wie der Schweiz nach Erdöl, Erdgas oder Uran.

Durch die Steigerung der Energieeffizienz, den Ausbau der erneuerbaren Energien und den schrittweisen, geordneten Atomausstieg – wie dies die Energiestrategie 2050 vorsieht – leistet die Schweiz ihren Beitrag an die Verringerung all dieser schädlichen Aspekte in Entwicklungsländern.