Das Klima reparieren? : Geoengineering : Irrweg statt Ausweg / Anika Schroeder... [et al.]

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In der Klimapolitik zeichnet sich eine neue Debatte ab: Neben Klimaschutz, der Anpassung an die Folgen des Klimawandels und dem Umgang mit nicht mehr vermeidbaren Schäden und Verlusten rückt die Reparatur des Klimasystems immer stärker in den Fokus. Durch neue Techniken sollen Emissionen aus der Atmosphäre herausgeholt und im Untergrund eingelagert oder Temperaturen durch riskante Eingriffe in die Strahlungsbilanz der Erde gesenkt werden.

Miseror beobachtet die Debatte um Geoengineering mit Sorge: Es besteht nicht nur die Gefahr, dass Klimaschutz durch die Hoffnung auf nachträgliche Senkung der globalen Temperaturen weiter auf die lange Bank geschoben wird. Auch handelt es sich beim Geoengineering um irrversible Eingriffe in komplexe Ökosysteme, deren Folgen und Risiken bisher zu wenig absehbar sind.

Die Enzyklika von Papst Franziskus, «Laudatio si' - Über die Sorge für das gemeinsame Haus» sagt hierzu treffend: «Die ökologische Kultur kann nicht reduziert werden auf eine Serie von dringenden Teilantworten auf die Probleme, die bezüglich der Umweltschäden, der Erschöfpung der natürlichen Ressourcen und der Verschmutzung auftreten. (...) Einfach nur eine technische Lösung für jedes auftretende Umweltproblem zu suchen bedeutet, Dinge zu isolieren, die in der Wirklichkeit miteinander verknüpft sind, und die wahren und tiefsten Probleme des weltweiten Systems zu verbergen» (LS 111).

Der Klimawandel ist vor allem Folge eines auf unendlichem Wachstum ausgerichteten Weltwirtschaftsystems. Dieses einseitige Denkmodell aufzubrechen und anzugehen, würde Emissionen massiv senken und gefährliche Geoengineering-Eingriffe in die bestehenden, komplexen Ökosysteme hinfällig machen. [Editorial]