Herrschaft der Schulden : Thema / [Red.] : Irmgard Kirchner

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Die Schuldenkrise der 1980er und 1990er Jahre führte zu einer weltweiten humanitären Katastrophe. „Strukturanpassung“ war der verharmlosende Name für das entwicklungspolitische Schreckgespenst dieser Zeit. Die „Bretton Woods“-Zwillinge Internationaler Währungsfonds und Weltbank verordneten Schuldnerländern im Süden rigorose Sparprogramme bei den Staatsausgaben – sprich im öffentlichen und sozialen Bereich, bei gleichzeitiger Öffnung und Exportorientierung der Wirtschaften.

Die Länder verloren ihre Souveränität, soziale Parameter wie Bildung und Kindersterblichkeit wiesen nach unten und das prognostizierte wirtschaftliche Wachstum traf größtenteils nicht ein. Die „bittere Pille“, wie man die Strukturanpassungsprogramme in den Medien gerne nannte, erwies sich als giftig. Die Schuldenkrise im Süden hat die Ungleichheit in der Welt wesentlich verschärft.

Vergleichbare unbrauchbare Rezepte wie im Süden werden aktuell auch in Europa angewendet, um die Schuldenkrise zu managen, die sich von Süd nach Nord verlagert hat. [Auszug Editorial]