Digitale Zukunft / Hans Dembowksi ... [et al.]

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In Indien war die Nutzung des digitalen biometrischen Identitäts-Codes ursprünglich freiwillig. Das verlangt auch das Verfassungsgericht. Armen Menschen half das digitale Instrument, Sozialleistungen zu bekommen. Mittlerweile wird es aber für immer mehr Zwecke erforderlich. Zivilgesellschaftliche Akteure warnen vor Überwachung und fordern zuverlässigeren Datenschutz.
Ähnlich haben sich viele mit Digitalisierung verbundene Entwicklungshoffnungen in den vergangenen Jahren verdüstert. Von der Mitte der 1990er Jahre bis zum Arabischen Frühling 2011 herrschte dagegen ein gewisser Überschwang. Davor schien Informationstechnik für Entwicklungsländer gar nicht relevant. Das änderte sich jedoch, als die Weltmedien auf den Boom der Softwarefirmen in Bangalore aufmerksam wurden. Dann bekamen immer mehr Menschen Zugang zum Internet, das trotz manch fortbestehender digitaler Gräben zunehmend zum tatsächlich weltweiten Netz wurde. Als Nächstes eroberte die Mobiltelefonie Afrika – und Kenia wurde Pionier bei der Geldüberweisung per Handy. Digitaltechnik erreichte immer mehr Menschen und erleichterte selbst Armen in abgelegenen Dörfern das Dasein.
Mehr Information als je zuvor stand zur Verfügung. Austausch wurde über große Distanzen möglich. Digitalisierung war in vielfacher Hinsicht befähigend. Im Arabischen Frühling waren soziale Medien so wichtig, dass Journalisten schon von „Facebook-Revolution“ sprachen. Mittlerweile sind aber Plattformen, die ursprünglich freie Kommunikation ermöglichten, mit Desinformation und Propaganda verseucht. Die Geschäftsmodelle etablierter Zeitungen werden unterhöhlt, worunter der Qualitätsjournalismus leidet.