Kaboom! : of stereotypes and superheroes - African comics on Africa / Corinne Lüthy, Reto Ulrich, Antonio Uribe (eds.)

Buch
Uns allen sind die im Comic verwendeten, kolonialistisch geprägten und stereotypen Bilder des afrikanischen Kontinents und der dort lebenden Menschen bekannt. Besonders ältere Comics wie Tim und Struppi oder Micky Maus haben das Bild des »ungezähmten« Kontinents und seiner »wilden« Bewohner aufgegriffen, aber auch moderne Superheldencomics spiegeln den westlichen Blick auf Afrika.
Doch wer kennt schon die afrikanische Sicht? Den genuin afrikanischen Comic? Die Herausgeber des Buches stellen ein vielfältges Spektrum afrikanischer Comic-Kunst vor – von Superhelden- und Undergroundcomics bis hin zu solchen mit propagandistischem Inhalt oder Bildungsanspruch.

Lehr- und Aufklärungscomics hatten in Afrika in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren Aufschwung. Sachcomics oder Bildungscomics sind für die Forschung und die Comic-Kultur auf dem afrikanischen Kontinent aus verschiedenen Gründen zentral. Das Medium Comic hat den Vorteil, Menschen mit niedrigem Bildungsniveau zu erreichen und diese auf ein­fache Art und Weise über komplexe Sachverhalte aufzuklären.
Durch das Vorhaben, auch Menschen mit niedrigem Bildungsniveau zu erreichen, bildeten sich Publikationsgruppen für Comics mit dem Ziel der Aufklärung. Eine dieser Gruppen ist beispielsweise der SACHED Trust in Südafrika oder das Legal Assistance Centre in Namibia. Aber auch etliche NGOs sowie UNICEF publizieren Aufklärungscomics für ein afrikanisches Publikum. Ein nennenswertes Künstlerkollektiv ist die südafrikanische Storyteller Group, die insbesondere zwischen 1991 und 1996 sehr aktiv war. Mit Bezug auf Afrika werden komplexe Themen wie Sklaverei und Sklavenhandel beispielsweise in Werken wie Mémoire de l’esclavage vermittelt.
Im Comic kann Geschichte visualisiert werden, ohne dass dabei auf die textliche Ebene verzichtet werden muss. Comics können den Geschichtsunterricht als zusätzliches Medium ergänzen und auch zur Auseinandersetzung mit Geschichte in der Freizeit anregen. Gerade einem jungen oder wenig belesenen Publikum können so Inhalte leichter zugänglich gemacht werden. [Hrsg.]