Karibik / Bert Hoffmann ... [et al.]

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Wie kaum eine andere Weltregion gilt die Karibik in Europa und Nordamerika als Inbegriff für Sonne, Party und Lebensfreude. Entsprechend sind viele Karibikinseln seit langem touristische „Traumziele“, sowohl für den Massentourismus (Dominikanische Republik, Cuba) als auch für ein exklusiveres Publikum (die Inseln der kleinen Antillen). Dazu kommt der in den letzten Jahren rasant gewachsene Kreuzfahrttourismus.
Dass es gegenüber einigen Staaten (vor allem Haiti, teilweise auch Jamaica) bei potenziellen Tourist*innen Vorbehalte wegen der dort herrschenden Gewalt gibt, deutet aber bereits an, dass die Karibikregion keineswegs das „Paradies“ ist, als das sie in den Reiseprospekten dargestellt wird. Das Erbe von Sklaverei und Kolonialismus ist keineswegs überwunden, wirtschaftliche Perspektiven jenseits des Tourismus sind rar. [...]
Die Corona-Pandemie hat viele der vorhandenen Probleme verschärft. Vor allem rächt es sich jetzt bitter, dass die meisten Inselstaaten ausschließlich auf den Tourismus als Motor der lokalen Ökonomie gesetzt haben, während in die Landwirtschaft, die Fischerei oder das verarbeitende Gewerbe kaum investiert wurde. Mit dem fast völligen Ausbleiben der internationalen Gäste sehen sich viele karibische Staaten aktuell mit einer schweren Wirtschaftskrise konfrontiert. [Auszug Editorial]