Fairtrade

20.3.2020
E-Dossier
Nachhaltig produzierte und fair gehandelte Produkte prägen zunehmend unser Kaufverhalten. Fairtrade ist im Trend. Doch was steckt dahinter?

Fairtrade verbindet die Konsumentinnen und Konsumenten oft als Kooperative mit den Unternehmen und versucht, den Handel durch bessere Preise für Kleinbauernfamilien, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und gerechte Bezahlung für Beschäftigte auf Plantagen in Entwicklungsländern zu verbessern. Wer hat Fairtrade erfunden? Was ist die Idee dahinter und welche Gütesiegel gibt es? Diesen und weiteren Fragen geht dieses e-Dossier nach. Es beschäftigt sich mit dem Prinzip «Fairtrade». Zu den Rohstoffen existieren jeweils separate E-Dossier.

Video

Das Fairtrade-System

Webseiten

Max Havelaar als führender Player im Fairtrade liefert auf seiner Webseite Infografiken, Fasctsheets, Unterichtsmaterialien und Studien zum Thema.

Fairtrade International - die offizielle Webseite des Arbeitskreises FINE - liefert sämtliche relevanten Informationen zur Geschichte, den Standards und den Produkten aus dem Fairen Handel.

Was ist Fairtrade?

«Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzentinnen und Produzenten und Arbeiterinnen und Arbeiter – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.»

Auf diese Definition des Fairen Handels einigte sich 2001 der informelle Arbeitskreis FINE – ein Zusammenschluss der vier internationalen Dachverbände des Fairen Handels.

Fairer Handel bezeichnet demnach kontrollierte Handelsprozesse, in welchen Arbeitern und Produzenten festgelegte Mindestpreise ausbezahlt werden. Damit sollen Schwankungen auf dem Markt durch Spekulationen verhindert werden, resp. die daraus resultierenden existenzbedrohenden Folgen für die Produzenten. Ausserdem wird versucht, die Handelsbeziehungen partnerschaftlich und langfristig aufzubauen. Die Corporate Social Responsibility der Unternehmen und die Einhaltung der Umweltstandards sind ebenfalls Teil des fairen Handels.

Fairer Handel umfasst in der Regel landwirtschaftliche Produktionen, aber auch Produkte aus der Industrie und des Handwerks.

Ursprung und Geschichte des Fairtrade

Die Idee des fairen Handels hatte seinen Ursprung in den USA Ende des zweiten Weltkrieges. In Europa begann Oxfam um 1960, Handwerksprodukte von chinesischen Flüchtlingen anzubieten. In den Niederlanden entstand zur gleichen Zeit eine Stiftung namens „Steun voor Onderontwikkelde Streken“, kurz S.O.S. Es war die erste alternative Handelsorganisation. 1967 wurde der erste Weltladen eröffnet. Weitere Weltläden in anderen westeuropäischen Staaten entstanden, zu Beginn ausschliesslich mit Handwerksprodukten im Angebot. Die Weltläden kümmerten sich jedoch auch um die Kampagnenarbeit. 1973 trat der erste fair gehandelte Kaffee aus Guatemala auf den Markt, darauf folgten immer mehr landwirtschaftliche Produkte: Tee, Zucker, Reis, Früchte und Kakao. 1988 schliesslich entstand das Siegel „Max Havelaar“, das auch in der Schweiz zu finden ist.

Fair Trade und nachhaltige Entwicklung

2007 hat das Schweizerische Staatssekretariat für Wirtschaft SECO eine Studie lancierte mit dem Ziel, die Auswirkungen von Fairtrade hinsichtlich der Armutsreduktion der Kaffeebauern in Bolivien zu untersuchen. Sie kam zum Ergebnis, dass Fairtrade Ungleichheit in der Gesellschaft reduziert und somit einen Beitrag zur Armutsbekämpfung leistet.

Das Prinzip des fairen Handels weitet sich auch, so zum Beispiel auf den Tourismus und Faires Reisen. Siehe dazu unser e-Dossier «Nachhaltiger Tourismus»

Kritik

Die Hauptkritikpunkte am Fairtrade konzentrieren sich vor allem auf die Produktion. So haben die Bauern nach wie vor relativ wenig Anteil an der Wertschöpfungskette und die Zertifizierungen sind für sie sehr kostspielig. Diese und andere Auflagen verringern die Erträge, womit den ärmsten Bauern nicht geholfen wird. Auch setzt Fairtrade eine minimale Infrastruktur voraus, dadurch aber sind die ärmsten Länder oftmals nicht am Fairtrade beteiligt.

Gütesiegel

Die Produkte, die fair gehandelt werden, werden mit einem Siegel ausgestattet, damit sie für den Kunden erkennbar sind. Dadurch können die Produkte auch in Supermärkten angeboten werden, wo sie für die Kunden leichter zugänglich sind.
Die verschiedenen Siegelorganisationen stehen seit 2002 unter einem einheitlichen Logo von der FLO (Fairtrade Labelling Organizations International). Damit einher geht auch ein weltweiter Aufschwung des Fairtrade.