Konferenz zur Biodiversität: Ernüchternde Bilanz

Biodiversität
Politischer Artikel
Es braucht dringend eine signifikante Verstärkung eingeleiteter Massnahmen, um das rasche Schwinden der globalen Biodiversität aufzuhalten. Der Bericht von der internationalen Konferenz zum Thema.

Die zwölfte Konferenz der Vertragsparteien der Biodiversitätskonvention (CBD COP-12) in Pyeongchang, Südkorea, startete am 6. Oktober mit der Lancierung des «vierten globalen Ausblicks zur Biodiversität». In diesem Bericht wird Zwischenbilanz gezogen über den in Japan beschlossenen strategischen Plan 2011-2020 und gefragt, inwiefern die 20 Aichi-Ziele erreicht worden sind. Die Bilanz fällt ernüchternd aus. Eine signifikante Verstärkung der Massnahmen ist für die Einhaltung des strategischen Planes notwendig, es braucht dringend ein einheitliches Streben der Staaten nach den gemeinsamen Aichi-Zielen.

Ressourcen-Mobilisierung und BioTrade
Wie in vorangehenden Jahren stand auch dieses Jahr die Diskussion rund um die Finanzierung der notwendigen Massnahmen im Zentrum. Die Vertragsstaaten haben schliesslich bestätigt, dass die internationalen Finanzierungsflüsse für biodiversitätsfördernde Massnahmen in Entwicklungs- und Transitionsländern bis 2015 verdoppelt werden sollen. Als Basiswert gilt die durchschnittliche Finanzierung von 2006-2010. Die Finanzierung der Massnahmen soll jedoch zunehmend auch durch innovative Ansätze und durch die Zusammenarbeit mit dem Wirtschafts- und Privatsektor realisiert werden. Diesem Thema wurde durch ein dreitägiges Business Forum zum Thema BioTrade, welches von der Schweiz mitunterstützt wurde, besondere Beachtung geschenkt.

Nagoya-Protokoll
Eine wichtige Errungenschaft der Biodiversitätskonvention, das Nagoya Protokoll, ist am 12. Oktober 2014 in Kraft getreten, nachdem es von 54 Staaten ratifiziert wurde. Dieses verlangt die gerechte Aufteilung des Nutzens genetischer Ressourcen und den Vorteilsausgleich zur Nutzung von traditionellem Wissen. Die Schweiz hat an der Konferenz einen wichtigen Beitrag zur Einrichtung eines Mechanismus geleistet, mit welchem in Zukunft die Einhaltung der Pflichten gefördert werden soll. Auch die indigenen Völker konnten diesbezüglich einen Teilerfolg erzielen und erhalten in Zukunft durch diesen Mechanismus ein Beschwerderecht auf internationaler Ebene. Die tatsächliche Umsetzung der gerechten Aufteilung des Nutzens birgt jedoch noch einige Fragezeichen und Herausforderungen. So setzt zum Beispiel eine gerechte Aufteilung des Nutzens, der aufgrund traditionellen Wissens generiert wird, eine vertrauensbasierte Zusammenarbeit zwischen indigenen Völkern oder lokalen Gemeinschaften und der Wirtschaft voraus. Dies erfordert Zeit, die oft nicht vorhanden ist. Des Weiteren fehlt es noch immer an einer weltweit anerkannten rechtlichen Begriffsbestimmung für «traditionelles Wissen». Immerhin wurde nach langen Debatten die zukünftige Verwendung des Begriffes «indigenous people» beschlossen, welcher nun die Rechte indigener Völker auch  innerhalb der Konvention stärkt.

Biodiversität und Armutsreduktion
Biodiversität ist längst nicht mehr nur ein Thema für die grüne Umweltallianz. Wiederholt wurde die Wichtigkeit von Biodiversität für die Armutsbekämpfung aufs Tapet gebracht, in den Verhandlungen sowie auch in diversen Nebenveranstaltungen. Die Bedeutung von Biodiversität für das Management von Naturgefahren durch intakte Ökosysteme oder als Basis für eine gesunde Ernährung und Einkommensgenerierung der ländlichen Bevölkerung sind nur einige Beispiele dafür. Die Konvention wird in Zukunft den Ecosystem-based approach fördern, welcher die Erhaltung der Biodiversität, nachhaltige Ressourcennutzung, Katastrophenprävention und Armutsreduktion vereint. Aufgrund der langjährigen Erfahrung könnte die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit einen wichtigen Beitrag zur konkreten Umsetzung in diesem Bereich beitragen. Es ist darum wichtig, dass die Thematik «Biodiversität und Armutsreduktion» auch in der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit wieder an Bedeutung gewinnt.

Autorin Zora Urech ist Dossierverantwortliche Wälder und Biodiversität bei Helvetas

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