IPCC-Bericht: Handeln, aber ohne Aufschub!

IPCC Klimawandel Kilmapolitik
2.4.2014
Politischer Artikel
Bis ans Ende des Jahrhunderts droht der Klimawandel aus dem Ruder zu laufen. Die Menschheit ist nicht auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet und Schutzmassnahmen lassen auf sich warten.

Die Welt ist weiterhin auf dem falschen Dampfer, der Vergleich mit der Titanic liegt auf der Hand: Völlerei auf dem Partydeck der ersten Klasse, Überlebenskampf der Auswanderer in der dritten Klasse und die Steuermannschaft auf völlig falschem Kurs. Daran lässt der zweite Teil des 5. Weltklimaberichts (IPCC-Bericht) keinen Zweifel.

Die Zeiten, in denen die Menschheit die Wahl hatte zwischen Klimaschutz und Anpassung an die Folgen des Klimawandels, sind längst vorbei. Der Klimawandel findet statt, und seine Auswirkungen werden die gesamte Menschheit treffen. Auch wenn eine geringe Erderwärmung lokal – vor allem im Norden - zu höheren Erträgen bei der Mais- und Weizenernte führen kann, wird der weltweite Ertragsverlust überwiegen. Gerade diejenigen, die sich schon heute nicht ausreichend ernähren können, weil sie die Preise für Nahrungsmittel nicht bezahlen können, werden darunter am meisten zu leiden haben.

Zunehmende Überschwemmungen und Trockenperioden werden die Länder des Südens wesentlich stärker treffen als diejenigen des Nordens, welche die Hauptverursacher der Erderwärmung sind. Der Klimawandel macht Fortschritte der Entwicklungszusammenarbeit aus den vergangenen Jahrzehnten wieder zunichte. Klimamassnahmen in Entwicklungsländern erfordern neue finanzielle Unterstützung, damit zusätzliche Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel endlich in Angriff genommen werden können. Rund 100 Milliarden Dollar jährlich kosten diese Anpassungsmassnahmen allein in Entwicklungsländern. Hinzu kommen die Kosten für klimafreundliche Technologien. Die Gelder der Entwicklungszusammenarbeit reichen dafür bei weitem nicht aus.

Eine der düstersten Prognosen des neuen Berichts betrifft den Anstieg des Meeresspiegels und Überschwemmungen in den schnell wachsenden Küstenregionen Asiens: Hunderte Millionen Menschen werden davon betroffen sein und abwandern müssen, weil sie ihr angestammtes Land verlieren. «Einige tief liegende Entwicklungsländer und Inselstaaten werden mit äusserst starken Auswirkungen und damit verbunden Schäden konfrontiert sein, deren Kosten mehrere Prozent ihres Bruttoinlandproduktes betragen», heisst es im Bericht.

Die wirtschaftlichen Folgen des ungebremsten Klimawandels werden aber alle Länder der Welt zu spüren bekommen. Küstenregionen der Industrieländer sind ebenso betroffen, wie Wirbelsturm Sandy zeigte, der im Oktober 2013 über New York hinwegfegte. Auch wenn eine Kostenabschätzung mit hohen Unsicherheiten verbunden ist, schätzen die WissenschaftlerInnen die ökonomischen Einbussen auf mindestens 0,2 bis 2 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. In einer Welt, in das Wirtschaftswachstum weiterhin die heiligste Kuh ist, müsste diese Warnung alle Alarmlampen auf Rot setzen. Hoffentlich nicht erst dann, wenn es, wie damals bei der Titanic, zu spät ist. Ein winzig kleines Zeitfenster zum Umschwenken bleibt noch, sagen die WissenschaftlerInnen.