Kaum Investitionen in Resilienz und Anpassung

Bootsanleger am ausgetrockneten Ufer des Greyerzersees in La Roche bei Bulle, Kanton Freiburg. Der Wasserpegel des Stausees wurde im April 2020 um rund 15 bis 20 Meter gesenkt, damit genügend Platz für das Schmelzwasser blieb. Grund für die Aktion waren die Rekordmengen an Schnee.
22.3.2021
Artikel global
Tiefgreifende Veränderungen der globalen Klimaerhitzung auf ökologische und gesellschaftliche Systeme sind mittlerweile unvermeidbar.

Selbst wenn es der Weltgemeinschaft gelingt, sämtliche Treibhausgas-Emissionen bis in spätestens 15 Jahren komplett auf (netto) Null abzusenken, stehen zahlreiche Gemeinschaften und Volkswirtschaften vor teilweise unüberwindbaren Herausforderungen. Treffen wird es die Ärmsten und Verletzlichsten am stärksten; nicht nur, weil sie in ohnehin schon klimasensiblen Gegenden versuchen, mit sich verändernden Regen- und Trockenperioden, zunehmenden Starkwetterereignissen und einem langsam aber unerbittlich steigenden Meeresspiegel zurechtzukommen.

Auch fünf Jahre nach Verabschiedung des Pariser Klimaübereinkommens fehlt es den betroffenen Regionen und Menschen noch immer an dringend benötigten Finanz- und Sachmitteln. Und leider folgten auch den neuerlichen, üblichen Beteuerungen am niederländischen Anpassungsgipfel Anfang Jahr, in der Klimakrise gemeinsam handeln zu müssen, keine substantiellen Finanzzusagen, um den hehren Worten auch Taten folgen zu lassen.

Die bisher von den Industrieländern bereitgestellten öffentlichen Gelder für Anpassung in Entwicklungsländern beliefen sich 2018 gemäss OECD auf 13 Mrd. USD; zwei Drittel davon sind notabene rückzahlbare Darlehen. Gemäss Pariser Klimaübereinkommen sollten es aber vier Mal mehr sein, nämlich die Hälfte der ab 2020 versprochenen 100 Mrd. USD pro Jahr. – Ausserdem bestätigt die OECD, was Alliance Sud seit Jahren kritisiert (siehe dazu Studie und Kennzahlen von März 2020): Die ärmsten Länder erhielten einen Bruchteil davon – gemäss neuesten OECD-Zahlen für 2018 flossen gerade mal 14 % in ärmste Länder (LDCs) bzw. 2 % in kleine Insel-Entwicklungsstaaten (SIDS).

Dem stehen schnell anwachsende Klima-Kosten gegenüber. Das UNO-Umweltprogramm (UNEP) schätzt im alljährlichen Adaptation Gap Report den jährlichen Investitionsbedarf zur Klimaschadens-Vorsorge und Resilienz in Entwicklungsländern auf derzeit bereits USD 70 Mrd. Bis 2030 werden die jährlichen Anpassungskosten des globalen Südens auf USD 140–300 Mrd. ansteigen; bis 2050 auf bis zu USD 500 Milliarden.
Statt als «Kosten» bezeichnet die «Global Commission on Adaptation» (GCA)  Anpassung an die Klimaveränderung als Investitionen mit volkswirtschaftlichem return on investment.

Sie schätzt in einem Bericht vom September 2019, dass die insgesamt benötigten 1.8 Billionen USD für resiliente Infrastruktur oder ökologische Anpassungsmassnahmen, wie die Wiederbelebung sterbender Korallenriffs oder den Schutz von Mangrovenwäldern, einen Netto-Nutzen für die betreffenden Regionen von 7.1 Billionen USD hervorbrächten . Vor allem verbesserter Küstenschutz rettet nicht nur Menschenleben und Bauten, sondern verbessert auch die Trinkwasserqualität und sichert meerbasierte Einnahmequellen. Manche Anpassungs-Massnahmen, wie zum Beispiel Wiederaufforstung, haben einen weitaus grösseren Nutzen, wie die Förderung des Artenschutzes, und können sogar direkt auch zu den Emissionsreduktionszielen des jeweiligen Landes beitragen.