Digitale Meinungsmache / Werner Rätz ... [et al.]

Article
WhatsApp und Facebook werden auch in Lateinamerika massiv genutzt, vor allem aufgrund ihres vermeintlich kostenlosen Charakters. Auch dort wird das Problem der rechten Meinungsmache und der Fake News diskutiert, denn die Tatsache, dass sich die Leute heute vor allem über Werbeplattformen informieren, die unzutreffend „soziale Medien“ genannt werden, hat handfeste politische Auswirkungen. In Brasilien und El Salvador wurden die jüngsten Wahlen nicht über Präsenz und Debatten in den traditionellen Medien gewonnen, sondern über gut vorbereitete und teure WhatsApp-Kampagnen. In Brasilien siegt so der Rechtsextremist Jair Bolsonaro, in El Salvador der politische Wende-hals und PR-Profi Nayib Bukele. Die brasilianischen WhatsApp-Nutzer*innen wurden während des Wahlkampfs mit gefälschtem, häufig explizit sexuellem Inhalt geflutet, wie etwa der Meldung, dass die Arbeiterpartei plane, Babyfläschchen mit Nuckel in Penisform zu verteilen, um die Homosexualisierung der Kleinkinder voranzutreiben.
Haarsträubendes postfaktisches Zeitalter – warum fallen Fake News auf fruchtbaren Boden? Klar ist: Klassische Medien haben ihre Funktion als „Gatekeeper“, als Instanzen, die sortieren und filtern, längst eingebüßt. [Editorial]