Kleidermachen : Textilproduktion in Lateinamerika / Miriam Holländer... [et al.]

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Neue T-Shirts und Tops für 5 Euro, Jeans für 15 Euro, Winterjacken für 30 Euro. Diese perversen Preise sind nur möglich, weil diejenigen, die die Bekleidung herstellen, äußerst mies bezahlt werden und unter großem Druck arbeiten. Ein Beispiel aus El Salvador: 17 Näherinnen der Maquiladora Style Avenue, die für den US-Markt produziert, müssen in einer Stunde 166 Baby-Bodys konfektionieren, jede also alle sechs Minuten ein Teil fertig haben. Eine Näherin verdient in der Regel 99 US-Cent pro Stunde, d.h. pro Body 10 US-Cent – bei einem Endverbraucherpreis von 15 bis 20 US-Dollar. Die Arbeitskosten, sprich der Lohnanteil, liegen also bei weniger als einem Prozent des Verkaufspreises. Lange Arbeitstage, gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen, demütigende Behandlung und ein faktisches Organisationsverbot – das ist der Alltag in den Maquiladoras, den Textilfabriken, die für den Weltmarkt produzieren. Doch Niedrigstlöhne werden beileibe nicht nur bei der Herstellung von Billigklamotten bezahlt, auch teure Markenkleidung wird unter diesen Bedingungen in Maquiladoras produziert.

Das Bewusstsein über die ausbeuterischen Bedingungen in der Textilproduktion scheint in Europa langsam zuzunehmen: Eine Reihe von alternativen Initiativen vertreibt mittlerweile fair gehandelte Bekleidung, z.B. aus der Textilkooperative Nueva Vida in Nicaragua, die in der ila-Ausgabe vorgestellt wird. Eine Nische? Gewiss. Fairer Konsum ist sinnvoll und löblich, kann aber die globalen Produktionsbedingungen nicht umwälzen, da müsste sich grundlegend etwas ändern! [Abstract]