Textilien / Viola Mautscher ... [et al.]

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In dieser ila stehen zwei sehr unterschiedliche Formen der Produktion von Textilien nebeneinander, die kunsthandwerkliche und die industrielle. Gemeinsam ist beiden, dass diejenigen, die die Textilien herstellen, fast ausnahmslos Frauen sind. Das mag ein Grund dafür sein, dass die materielle Wertschätzung, die ihrer Arbeit entgegengebracht wird, durchgängig gering ist. Denn nicht nur die Arbeiter*innen in den großen Textilfabriken und den halb- oder illegalen Betrieben werden lausig entlohnt, auch viele traditionelle Weberinnen oder moderne Textilkünstlerinnen arbeiten und leben unter prekären Verhältnissen. Andererseits eröffnet die kunsthandwerkliche Arbeit mit Wolle und Stoffen indigenen Frauen in manchen Regionen erstmals einen Zugang zu Geldeinkommen und bedeutet ein Stück Unabhängigkeit. So reflektieren viele Beiträge in diesem ila-Schwerpunkt auch Geschlechterverhältnisse und Machtstrukturen in verschiedenen Kontexten von andinen Dörfern bis hin zu nordamerikanischen und europäischen Forschungseinrichtungen. Denn auch diejenigen, die sich wissenschaftlich mit Textilien befassen, sind ganz überwiegend Frauen – das gilt übrigens auch für die Autor*innen dieser ila. [Auszug Editorial]