Verantwortung : Schwerpunkt / GIZ (Hg.)

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Verantworung zu übernehmen, bedeutet, pflichtbewusst und gewissenhaft vorzugehen. Nicht wegzusehen, sondern zu handeln. Die höhere Kunst besteht gleichsam darin, nicht nur seinen eigenen Vorteil zu suchen, sondern auch das Wohlergehen anderer im Blick zu haben – und beispielsweise Hilfe zu leisten, wenn Not herrscht. Das erfordert Kraft, Mut und Ausdauer.

Die aktuelle weltpolitische Lage ist von einem erstarkenden Nationalismus und Populismus geprägt, von zunehmend ungeklärten Positionen einstiger Weltmächte mit Blick auf internationale Verantwortung, von einem schwächelnden Europa und von einer Vielzahl von Konflikten. In einer solchen Welt wird Deutschland im Verbund mit Europa als Hüter westlicher Werte gebraucht. Dies ist ein Ergebnis der Studie «Deutschland in den Augen der Welt», die die GIZ zum dritten Mal durchgeführt hat: eine Befragung von rund 150 Wissenschaftlern, Politikern, Unternehmern und Vertretern aus Kultur und Zivilgesellschaft aus 24 Ländern zu ihrem Deutschlandbild. Wir haben diese Studie zum Anlass genommen, das Thema «Verantwortung» in den Mittelpunkt unseres Heftes zu stellen.

Der indische Aussenpolitiker und langjährige UN-Diplomat Shashi Tharoor etwa hegt in seinem Essay keinen Zweifel daran, «dass Deutschland ein starker und verlässlicher Akteur sein muss, wenn die Welt künftig erfolgreich ihren Weg durch die Turbulenzen finden soll». Dabei müsse das Land bei der Stärkung multilateraler Institutionen eine Schlüsselrolle spielen.

Was Verantwortungsübernahme in der andauernden Debatte um Flucht und Migration bedeutet, beleuchten wir anhand eines Projekts am Horn von Afrika. Hier versucht die GIZ im Auftrag der Bundesregierung und der Europäischen Union, Migration in der Region sicherer zu machen: Sie unterstützt den Aufbau von medizinischen Serviceeinrichtungen, bildet Grenzpersonal unter anderem in Erster Hilfe aus und befähigt Justiz- und Polizeibeamte, Menschenhändlern das Handwerk zu legen. Keine einfache Aufgabe und keine, die frei von Kritik wäre.

Die Wahrnehmungen Anderer kennenlernen, zuhören und eigene Gewissheiten infrage stellen – all das, was wir mit der «Deutschlandstudie» beabsichtigen, erleben auch junge Berufstätige des Parlamentarischen Patenschafts-Programms. Fünf junge Frauen und Männer berichten über ihre individuellen «Augenöffner».

Wir hoffen, dass diese verschiedenen An- und Aussichten zum Thema «Verantwortung» Sie dazu anregen, über deutsche, über gemeinsame, aber auch über persönliche Verantwortung nachzudenken.