Gesundheit / Karoline Noack ... [et al.]

Article
Gesundheit ist ein Menschenrecht. In Lateinamerika ist der Zugang zu medizinischer Versorgung jedoch noch weitaus stärker als in Europa von den finanziellen Möglichkeiten derjenigen abhängig, die eine Behandlung brauchen. Menschen aus den Mittel- und Oberschichten, die über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, können sich eine gute medizinische Versorgung in Privatkliniken leisten, während die allgemein zugänglichen öffentlichen Gesundheitssysteme häufig unterfinanziert sind, sodass es an Pflegepersonal, Ärzt*innen, Kliniken, Ausstattung und Therapieplätzen fehlt. Deswegen werden Menschen aus ärmeren und armen Bevölkerungssektoren oft nur unzureichend medizinisch betreut. Zudem müssen die Medikamente vielerorts vollständig von den Patient*innen bezahlt werden, sodass finanzschwache Menschen not-wendige und verordnete Arzneien oft nicht bezahlen können.
Die Mitte-Links-Regierungen, die zwischen 2000 und 2019 in vielen südamerikanischen Ländern an der Macht waren, hatten ihren Wähler*innen eine bessere Gesundheitsversorgung versprochen. Vielerorts wurden auch wirkliche Verbesserungen erreicht, wobei das vorherrschende Modell der Zweiklassenmedizin nirgendwo wirklich aufgebrochen wurde.
Mit dem Amtsantritt konservativer und rechter Regierungen sind viele der erreichten Fortschritte gefährdet, teilweise gab es bereits schmerzliche Rückschritte. Am einfachsten funktioniert das durch Kürzungen der für das Gesundheitswesen zur Verfügung gestellten Finanzmittel. So sind die öffentlichen Ausgaben im Bereich der Gesundheit in den größten lateinamerikanischen Ländern, Argentinien und Brasilien, spürbar gesunken. Doch gegen die allgemeine Malaise im Gesundheitssystem regt sich Widerstand: am sichtbarsten derzeit im neoliberalen Musterland Chile, wo die Defizite im Gesundheitssystem zu den Themen der aktuellen Protestbewegung gehören.