Heisse Luft und schwarzer Rauch / Marie Maurisse ; Public Eye

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Es gibt ein Land, in dem [die umstrittene Tabakindustrie] auf die Unterstützung der Politik zählen kann, wenn es um die Wahrung ihrer Interessen und die Eroberung neuer Märkte geht: die Schweiz, in der nicht zufällig gleich drei globale Tabakkonzerne beheimatet sind. Unsere Behörden stellen wirtschaftliche Interessen über die öffentliche Gesundheit. Zum Beispiel indem sie sich weigern, neutrale Verpackungen durchzusetzen oder Werbung für Jugendliche zu verbieten. Zudem ermöglicht die Schweizer Gesetzgebung faktisch die Herstellung und Ausfuhr von Zigaretten, die schädlicher sind als die für den Konsum in der Schweiz zugelassenen. In der Europäischen Union sind die entsprechenden Bestimmungen wesentlich strenger
In ihrer mit aktuellem Datenmaterial untermauerten Recherche belegt Marie Maurisse, dass die politische Schweiz regelrecht süchtig ist nach Doppelstandards, von denen die Tabakkonzerne profitieren. Skrupellos werden die Lungen der Marokkanerinnen und Marokkaner von Zigaretten «Made in Switzerland» geschädigt, die deutlich höhere Nikotin-, Teer- und Kohlenmonoxidwerte aufweisen als auf dem Schweizer Markt oder innerhalb der EU gefunden. Dank ihrer intensiven Lobbyarbeit im Bundeshaus und der schwachen Regulierungen einiger afrikanischer Länder gelingt es Philip Morris International, British American Tobacco und Japan Tobacco International, ihre Massenvernichtungsmittel dort an die (zumeist sehr jungen) Leute zu bringen. Dass solche Praktiken in der Schweiz legal sind, gehört zu den besonders giftigen Aspekten dieses Skandals. [Auszug Editorial]