Sri Lanka - Virus Autokratie / Basil Fernando ... [et al.]

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Als die Redaktion einen in Deutschland lebenden Kenner Sri Lankas einlud, einen Beitrag zum Schwerpunktthema dieses Heftes beizusteuern, winkte er geradezu resigniert ab. Er wolle nicht mehr so viel Energie mit Land und Leuten aufwenden, deren Pläne zur Versöhnung und zu Reformen so häufig verblichen wie sie kamen. Im Doppelheft 3-4 im Jahr 2015 schrieben wir in diesem Kontext von Erblasten. Basil Fernando greift in diesem Heft den von Hannah Arendt geprägten Begriff des „tiefen Staates“ auf, um die Dimension zu verdeutlichen, in der eine Überwindung der verfestigten Grabenkämpfe zu denken ist. Regierungen wie die der Familie Rajapaksa sind ja kein Betriebsunfall. Die ungenierte Selbstbedienung der Mächtigen und mafiöse Beziehungsstrukturen sind nicht grundsätzlich neu, wenngleich von den Rajapaksas merklich befördert.
Eine Reihe von Artikeln zum Schwerpunkt beschäftigt sich mit den heutigen Phänomenen dieser Erblasten. In der Gesamtschau – und zwischen den Zeilen – kommt gleichwohl die unermüdliche Courage derjenigen zum Vorschein, die sich mit der Zementierung von Diskriminierung, feindlich gesinnten Nachbarschaften und Sprechverboten über ungenügendes Regierungshandeln nicht abfinden wollen. Sie berichten nicht zuletzt von jungen Leuten, die im Rahmen ihrer informellen Möglichkeiten in informellen Medien einen Kontrapunkt gegen die vorherrschende Meinungsmache setzen. Und es ist dies nicht notwendigerweise Ausdruck von Protest, sondern von eigentlichem Bürgersinn, wie realitäts- und wahrheitsgerechtes Handeln sein sollte. [Auszug Editorial]