Abschiebung global / Inken Bartel ... [et al.]

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Abschiebungen gehören heute zum Standardrepertoire der Politik und gelten als Ausdruck staatlicher Souveränität und Handlungsfähigkeit. Sie setzen die Grenzen des Nationalstaates und der damit verbundenen Rechte und Privilegien durch und dienen damit der Aufrechterhaltung globaler Ungleichheit. Stellten sie bis in die frühen 1970er Jahre in zahlreichen Staaten seltene Ausnahmen dar, hat sich ihre Zahl in vielen Ländern in den letzten Jahrzehnten im Kontext eines wieder erstarkenden Nationalismus drastisch erhöht. Auch in Deutschland sind nach 2015 Forderungen nach „effektiverer“ Abschiebepolitik deutlicher artikuliert worden. Zugleich solidarisieren sich Menschen in Form von Blockaden, Demonstrationen, Kirchenasylen oder weiteren weniger sichtbaren Praktiken mit Betroffenen. Dies sorgt für heftige Debatten. Abschiebungen stehen damit mittlerweile im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit in Europa und den USA. Deutlich weniger Aufmerksamkeit erfahren jene, die abgeschoben werden, sei es in den Herkunfts-, Transit- oder Drittstaaten.
Da die mediale und politische Aufmerksamkeit häufi g auf Abschiebungen aus Ländern Europas und Nordamerikas liegt, tritt zudem die Abschiebepraxis innerhalb des Globalen Südens in den Hintergrund. Dieses Schwerpunktheft der PERIPHERIE soll helfen, den Eurozentrismus von Abschiebungsdiskursen zu überwinden. [Editorial]