Dis-Placement : Flüchtlinge zwischen Orten / J. Olaf Kleist... [et al.]

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Die Themen Flucht und Asyl unterliegen hierzulande starken öffentlichen und politischen Konjunkturen. Gegenwärtig stehen sie wieder oben auf der Agenda. Täglich berichten deutsche Medien von im Mittelmeer Ertrunkenen, von der grossen Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung, die Neuankömmlinge zu unterstützen, von sogenannten Anwohnerprotesten gegen geplante Gemeinschaftsunterkünfte und Erstaufnahmeeinrichtungen, von den Schwierigkeiten einiger Kommunen, genügend Unterkünfte für die Erstaufnahme bereitzustellen, aber auch von Gerichtsprozessen gegen „Schleuser“ und politischen Debatten auf nationaler und europäischer Ebene zum Umgang mit Flüchtenden und Asylbewerber*innen.
Angesichts dieser grossen Aufmerksamkeit kann der Eindruck entstehen, Europa nehme einen grossen Teil der aktuell v.a. aus Syrien, aber auch aus Afghanistan, Somalia, Sudan, Südsudan, Kongo, DR Kongo, Myanmar, Zentralafrikanischen Republik, Irak und Eritrea geflüchteten Menschen auf. Tatsächlich aber bleiben die meisten Flüchtlinge in ihrer Herkunftsregion. Dies findet seinen Niederschlag in Flüchtlingslagern, in denen Menschen unter häufig desolaten humanitären Bedingungen leben. Laut dem Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) befanden sich 2014 neun von zehn Flüchtlingen in Ländern des Globalen Südens. [Auszug Editorial]