Kämpferisch, korrupt, kriminalisiert : Gewerkschaften in Lateinamerika / Philipp Gerber... [et al.]

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Mit dem vorliegende Dossier wollen wir uns mit dem aktuellen Zustand von Gewerkschaftsarbeit in Lateinamerika beschäftigen. Wie bewegen sich die Gewerkschaften in dem geschilderten Spannungsfeld? Dabei wollen wir eine kritisch-solidarische Haltung zu Gewerkschaften einnehmen. Das bedeutet für uns, dass die gegen sie vorgebrachte Kritik immer abgewogen werden muss: Wann handelt es sich um berechtigte Kritik an Fehlentwicklungen, wann handelt es sich um bewusste Diffamierung, um die Selbstorganisation von Arbeiter*innen zu schwächen?

Hintergrund für unser Dossier ist auch die veränderte politische Lage in Lateinamerika. Im vergangenen Jahrzehnt haben in vielen Ländern der Region linksorientierte Politiker*innen die Regierung übernommen. Zu einem nicht unerheblichen Teil basierten deren Wahlerfolge auf ihrem Rückhalt bei sozialen Bewegungen und linken Organisationen, nicht zuletzt auch Gewerkschaften. Konnten die Gewerkschaften ihrem prophezeiten Bedeutungsverlust nach den neoliberalen Reformen der 1980er und 1990er Jahre erfolgreich entgegentreten? In dem Dossier möchten wir der Frage nachgehen, wie viel gesellschaftlichen Wandel die Gewerkschaften beim Thema Arbeit erreicht haben und wofür sie aktuell kämpfen müssen. [Auszug aus Editorial]