Landraub bedroht indigene Völker / Gesellschaft für bedrohte Völker

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Hunderte indigene Völker bedroht der weltweit zunehmende Landraub in ihrer Existenz. Nach dem Fluch begehrter Bodenschätze ist es nun der Boom der Bio-oder Agrotreibstoffe und die Suche nach fruchtbaren Anbauflächen, die das Überleben von Millionen Ureinwohnern akut gefährden. Nationale und internationale Agrar-Unternehmen, Investmentgesellschaften und Pensionsfonds haben in rund 60 Staaten langfristig große Flächen gepachtet oder gekauft, um dort Nahrungsmittel für den Export anzubauen. So haben indigene Völker im vergangenen Jahrzehnt bereits mehrere Dutzend Millionen Hektar Land verloren, das staatliche Stellen an Investoren verpachteten oder veräußerten, ohne dass die Ureinwohner davon erfuhren. Die Behörden dieser Staaten, die zumeist in den Vereinten Nationen feierlich die Rechte indigener Völker anerkannt haben, leugnen in der Praxis deren Besitzansprüche. Sie erklären die traditionell von indigenen Völkern genutzten Flächen für „herrenlos“ und „ungenutzt“, um sie an Investoren verpachten zu können.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat in diesem Report beispielhaft zwölf Fälle des Landraubs in Südostasien, Nordasien, Afrika und Mittel- sowie Südamerika dokumentiert. Vor allem der Palmöl-Boom bedroht indigene Völker weltweit. So wurden allein 2010 mehr als 280.000 Afro-Kolumbianer vertrieben, um in Kolumbien Platz für neue Ölpalm-Plantagen zu schaffen. Im mittelamerikanischen Guatemala liegt ein Großteil der Ölpalm-Plantagen auf dem Land von Maya-Indianern. Die Bewohner ganzer Dörfer werden von Polizisten und Söldnern mit Waffengewalt vertrieben, um neue Ölpalm- und Zuckerrohr-Plantagen einzurichten. In Argentinien wehren sich Ureinwohner mit juristischen Mitteln gegen die Vertreibung. Aber selbst Gerichtsurteile werden von Investoren und Behörden missachtet. [Hrsg.]