Mittelamerika / Eduard Frisch ... [et al.]

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Richteten sich in den 80er Jahren die Blicke von linken und kritischen Menschen aus der ganzen Welt auf die revolutionären Bewegungen in Mittelamerika, schien es in den 90er Jahren in dieser Region keinerlei Hoffnungen auf politische Veränderungen mehr zu geben. Die Unfähigkeit oder besser der Unwille der oligarchischen Parteien, politische Projekte umzusetzen, die breiteren Bevölkerungsschichten eine Perspektive bieten könnten, eröffnete der Linken neue politische Räume: In Nicaragua wurden Daniel Ortega und die FSLN im November 2006, 16 Jahre nach ihrer historischen Wahlniederlage, wieder in die Regierung gewählt, im März 2009 gelang das der FMLN mit dem parteilosen Mauricio Funes in El Salvador. Auch in Guatemala wurde Ende 2006 mit Álvaro Colom ein Politiker zum Präsidenten gewählt, der zwar kein Linker, aber auch kein Vertreter der traditionellen Oligarchie ist. Ein solcher war hingegen Manuel Zelaya in Honduras, der aber im Laufe seiner Amtszeit auf Distanz zur Geld- und Machtelite ging, was diese als ungeheuerlichen Klassenverrat empfand. Was dann im Juli 2009 mit dem Putsch in Honduras geschah, zeigt, dass die Oligarchien in Zentralamerika weiterhin nicht bereit sind, auch nur bescheidene gesellschaftliche Veränderungen zu akzeptieren.