Vietnam, Laos, Kambodscha : im Schatten starker Nachbarn / Arnaud Leveau... [et al.]

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Laos will in den kommenden Jahren insgesamt zehn Staudämme am Mekong errichten und Strom aus Wasserkraft verkaufen, vor allem nach China und Thailand. China selbst staut bereits den Fluss, der in Tibet in fast 5000 Metern Höhe entspringt, mit mehreren Dämmen. Auch Kambodscha will nun welche bauen. Umweltschützer laufen seit Jahren Sturm gegen diese Pläne. Doch jetzt will Vietnam offenbar diplomatischen Protest gegen den Baubeginn in Laos einlegen und ein zehnjähriges Moratorium vorschlagen, um Möglichkeiten einer umweltverträglichen Nutzung des Mekong zu erforschen. Im Süden Vietnams ergießt sich der Fluss in einem gigantischen Delta ins Meer. Die Reisbauern und Fischer dort leiden am stärksten unter den Dämmen am Oberlauf. Der rund 4500 Kilometer lange Mekong könnte in Zukunft zunehmend Anlass für Konflikte zwischen den Anrainern sein.

Der Fluss ist nicht das einzige, was Kambodscha, Laos und Vietnam verbindet. Die drei Länder auf dem südostasiatischen Festland teilen auch die Erfahrung, von Frankreich kolonisiert worden zu sein, und das Leid einiger großer Kriege. Eine kommunistische Bewegung erkämpfte in allen drei Ländern die Unabhängigkeit und ist in Laos und Vietnam bis heute an der Macht; nur in Kambodscha entstand unter Aufsicht der Vereinten Nationen eine Demokratie. Vieles trennt die drei Länder auch voneinander, traditionelle Animositäten etwa wie zwischen Kambodscha und Vietnam: Hat jemand in Kambodscha Bauchschmerzen, sagt man, er habe einen „vietnamesischen Magen“.

Die drei Länder streben wirtschaftlich nach oben und haben die Armut deutlich reduzieren können, Vietnam schneller als die anderen beiden. Politisch aber herrscht weitgehend Stillstand: In Vietnam gelten die Bürgerrechte wenig, und in Kambodscha vertreiben skrupellose Geschäftemacher im Einklang mit der Regierung Menschen von ihrem Land, um Bürohäuser zu bauen oder Zuckerplantagen anzulegen. Bedeutsam für die wirtschaftliche Entwicklung sind nicht zuletzt die großen Nachbarn Thailand und China. Von ihnen kommen einerseits Investitionen, andererseits betrachten sie Vietnam zunehmend als Konkurrenz. Soll der Aufstieg der Region friedlich verlaufen, müssen die Länder miteinander kooperieren. Der Mekong, ihre gemeinsame Lebensader, ist der beste Beleg dafür. [Editorial]