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Froschhüpfen mit der Sonne

29.11.2025, Klimagerechtigkeit

Trump will im geopolitischen Ringen um Technologieführerschaft dem erstarkenden China Einhalt gebieten. Doch unter dem notorischen Klimaleugner ist die USA bei der zentralen Solartechnologie schon heute im Rückstand. China hingegen stattet Afrika fleissig mit Solarpanels aus – und damit den Kontinent mit dem grössten Bedarf nach Elektrisierung durch Erneuerbare.

Andreas Missbach
Andreas Missbach

Geschäftsleiter

Froschhüpfen mit der Sonne

Auf dem afrikanischen Kontinent ist der Bedarf an verlässlichem Strom enorm. Ein Mann präsentiert ein Solarpanel zum Verkauf in einem Geschäft in Abuja, Nigeria. © Keystone/AP/Olamikan Gbemiga

An der COP30 in Belém sprach auch der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom. Er beklagte, dass Trump die USA zu einer «Fussnote in der Klimapolitik» mache. Der kenyanische Wissenschaftler und Klimaaktivist Mohamed Adow kommentierte dies gegenüber BBC als «Akt der Selbst-Sabotage», denn letztendlich werde das dazu führen, dass die USA «die Energie der Zukunft verpassen».

Tatsächlich, während sich die USA in allen möglichen Bereichen in einem Tech-Wettkampf mit China sehen, den sie unbedingt gewinnen wollen, ist bei der Solartechnologie der Film gelaufen. Drei Viertel aller jemals seit 2010 produzierten Solarpanels stammen aus China, in den letzten Jahren liegt dieser Anteil deutlich höher. Möglich wurde dies, weil die chinesische Führung ein klares Ziel verfolgt, das Land zu dekarbonisieren (mittelfristig, lange Zeit wurde parallel auch Kohlestrom ausgebaut). Und das mit Technologien und Anlagen, die im eigenen Land hergestellt werden.

Der Erfolg dieser Strategie ist für diejenigen Kreise ein Problem, die Industriepolitik im allgemeinen und erst recht «grüne» Industriepolitik aus ideologischen Gründen prinzipiell ablehnen. Diese sind in der Schweiz besonders stark vertreten, von den Wirtschaftsfakultäten über die NZZ bis zum SECO. Gerne zeigt man dann auf die gegenwärtige Überproduktion in China. Doch Überproduktion ist relativ, wenn man sich die riesigen ungedeckten Bedürfnisse nach bezahlbarem, verlässlichem Strom vor Augen hält: 800 Millionen Menschen, der grösste Teil davon in Afrika, haben immer noch gar keine elektrische Energie.

Doch gerade gerät in Afrika etwas in Bewegung, was der Non-profit-, auf Energiefragen spezialisierte Think Tank Ember als «take-off in solar in Africa» bezeichnet. Ember belegt dies mit beeindruckenden Zahlen und natürlich spielt China dabei eine zentrale Rolle. In den letzten zwei Jahren haben sich die Importe von Solarpanels aus China (ohne Südafrika) fast verdreifacht. Dieser Anstieg war in ganz Afrika zu beobachten. 20 Länder stellten in den 12 Monaten bis Juni 2025 einen neuen Rekord bei den Importen von Solarmodulen auf. 25 Länder importierten beträchtliche Mengen (mehr als 100 Megawatt). In Sierra Leone etwa können die in einem Jahr importierten Module 61% der Stromproduktion (2023) decken.

In weiten Teilen Afrikas gelang es, mit der Mobilfunktechnologie die Stufe zu überspringen, die in den Ländern des Globalen Nordens der Aufbau einer Festnetztelefoninfrastruktur darstellte. Die Solarenergie hat dasselbe Potential für «leap-frogging». Statt einer zentralisierten Produktion von sehr viel Energie an einem Ort, erlaubt sie die dezentrale Produktion nahe an den Menschen, die Strom brauchen. Noch viel grösser wäre das Potential der Sonne für die Entwicklung Afrikas, wenn deren Nutzung nicht einfach auf Importen aus China beruhen würde. Erste zarte Ansätze für die lokale Produktion von Solaranlagen gibt es in Ägypten, Marokko, Nigeria und Südafrika.